Müller’s Büro, Metropol

Seit 1986, dem Erscheinungsjahr des Films ”Müller’s Büro” (Buch & Regie Niki List), ist dieser zu einem Kultfilm geworden. Er ist Musikfilm und rabenschwarze Krimikomödie in einem und deshalb, sollte man meinen, perfekt für die Umsetzung in ein Musical. Wer allerdings den Film nicht kennt, weiß vor lauter Liebesgeschichten und Mord und Totschlag bald nicht mehr, wer zu den Guten oder den Bösen gehört. Auch wer letztendlich nicht ins Gras beißen musste, ist nicht ganz eindeutig, da sich auch schon Totgeglaubte wieder erheben.

Die kleine Bühne wurde diesmal seitlich verlängert, sodass die Darsteller mehr Spielraum hatten. Das Bühnenbild (Stephan Prattes) war spärlich ausgefallen, lediglich ein riesiger ”Müller’s Büro” Schriftzug, einige Türen und je nach Szene ein bis zwei Schreibtische, eine Bar oder ein Sofa standen auf der Bühne.

Durch das Stück führte in Erzählform, die sehr an die seinerzeitige Werbung mit dem ”Selfmademan” erinnerte, die Figur des Max Müller selbst.

Hier ein Versuch den Inhalt in Kürze näherzubringen:

Max Müller (Simon Hatzl) und sein Freund Larry Lapinsky (Hubert Wolf) betreiben eine Detektei, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Als dritte im Büro gibt es Fräulein Schick (Stella Fürst), die gleich beide Augen auf Max geworfen hat. Eines Tages kommt Bettina Kant (Elke Jochmann) in geheimer Mission zu Müller. Sie gibt sich als Ingrid Bergmann aus und bittet ihn um Hilfe bei der Suche nah ihrem Freund Henry (David-Daniel Zinsmeister). Bei ihren Ermittlungen treffen die beiden Detektive auf zwielichtige Gestalten wie z.B. Delgado (Stefan Konrad) und seine Schlägerbande Mike und Meier (Zinsmeister, Alexander Donesch). Jede Menge leichte Mädchen sind auch mit von der Partie u.a. Marie (Lisa Antoni). Zu guter letzt kommt auch noch der geheimnisvolle Mann mit Trenchcoat, Hut und dunkler Brille ins Spiel. Welches Geheimnis verbirgt der Vater von Bettina Kant und wer ist eigentlich die blauhaarige Frau im Pyjama, die immer nach der Zeit fragt? Fragen über Fragen, deren Antworten am Ende sowieso zweitrangig sind, da eigentlich keiner, der für die Handlung wichtigen Personen, überleben darf.

Im Vergleich zu der vorherigen Musicalproduktion im Metropol ”Joe & Julie” hatte das Stück bei der Benotung ein paar Zentimeter die Nase vorne, was vor allem an einigen Songs lag, an denen man wirklich nicht vorbeikam. Der Titelsong ”Müller’s Büro” war peppig und wurde von allen Darstellern mit einer rasanten Choreographie (Nora-Anna Hofmann) sowohl am Anfang als auch am Ende des Stücks gemeinsam präsentiert.

Von Max Müller Darsteller Simon Hatzl konnten keine gesanglichen Höchstleistungen erwartet werden, da diese Sparte nicht sein Metier ist. Er bemühte sich aber, Songs wie ”Guten Tag schöne Frau”, ”Sieh mich nicht an” oder ”Bettina” zumindest in einer Art Sprechgesang über die Bühne zu bringen. An der schauspielerischen Leistung gab es nichts auszusetzen. Egal ob mit Whiskeyglas oder Stöckelschuh in der Hand, er brachte gekonnt seine Pointen und vor allem die Kolleginnen auf der Bühne verfielen ihm der Reihe nach.

Hubert Wolf als Larry Lapinsky zeigte in dem Stück, dass er weitaus mehr kann, als für ein großes Einrichtungshaus Werbung zu machen. Als trotteliger Helfer von Müller war er einsame Klasse und besonders wenn er vor der Hure Maria vor Verlegenheit versuchte seine Unterhose mit Comicaufdruck länger zu ziehen sorgte er für Lacher. Gesanglich wurden an ihn nur zweitrangig Anforderungen gestellt und das war gut so.

Stella Fürst als zutzelndes Fräulein Schick mit riesen Brille und Schottenröckchen war ein echter Hingucker, vor allem bei ihren Soloeinlagen. Bei ”Männer sind wir Marzipan” legte sie mit Wolf ein kleines Tänzchen auf’s Parkett und mit ”Weil ich so sexy bin” sorgte sie für das Showelement des Abends. Möglichst oft ließ sie von Busen bis Po alles wackeln und gewährte auch oft Einblicke unter’s Röckchen. Als sie mit normaler Stimme ”Sterne” in der Rolle der ”Pyjamafrau” sang, war man ein wenig enttäuscht, Fräulein Schick lag ihr weit mehr.

Elke Jochmann in der Rolle der undurchsichtigen Bettina Kant wirkte sehr steif und taute erst dann auf, als es mit Müller bei eindeutigen Schattenspielchen hinter einer beleuchteten Wand heiß zur Sache ging. Viel lustiger war die Darstellung ihrer Nutte mit Schweizer Dialekt.

Bei David-Daniel Zinsmeister bekam man das komplette Paket – Gesang, Tanz und Schauspiel – geliefert und stimmlich gesehen war er von allen mit Sicherheit der Beste des Abends. Seine Songs waren ”Jeff”, bei dem er vor Kummer fast den kompletten Whiskey auf den armen Jeff (Alexander Donesch) schüttete und ”Ich steig aus”.

Gesanglich konnte auch Lisa Antoni, die erst im Vorjahr die Ausbildung am Konservatorium der Stadt Wien abgeschlossen hatte, punkten. Sie trug, um ihren diversen Nuttenrollen gerecht zu werden, sexy Kleidung und auch die Haarpracht wurde des öfteren gewechselt. Stimmlich war sie bei ”Ganovenball” oder ”Männer-Frauen” tonangebend, wobei ihr die höheren Töne nicht so lagen. Bei ”Ich will mehr” hatte sie zwar nicht viel Text, dafür forderte sie von Larry-Darsteller Wolf umso mehr, da es hinter einem Sofa zwischen den beiden heiß herging.

Alexander Donesch und Stefan Konrad wirkten auf den ersten Blick wie eineiige Zwillinge, was sicher auch für den Zuseher zu ungewollten Verwechslungen führen konnte. Sie gaben u.a. schießwütige Gangster, zeigten das ein oder andere Tänzchen und versuchten das Beste aus den ihnen zugedachten Rollen zu machen.

Der ein oder andere Lacher konnte dem Publikum entlockt werden, der große Kracher ist das Stück aber nicht. Hoffentlich hat das Metropol bald einmal wieder ein zugkräftigeres Stück am Spielplan, damit die Besucher wieder zahlreicher kommen.
Quelle: Andrea Martin

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