La Cage aux Folles, Volksoper

Wir schreiben den 10.6.2007. Ein besonderer Tag für das Ensemble von ”La Cage aux Folles”, denn es ist ”die letzte”. Wer weiß, wann diese Produktion wieder in der Volksoper zu sehen sein wird. Karlheinz Hackl hatte sich schon einige Shows zuvor vom Publikum verabschiedet, die letzten Vorstellungen spielte die alternierende Besetzung der Zaza, Erwin Windegger.

Kurt Schreibmayer alias Georges, der Besitzer des ”La Cage aux Folles” begrüsst das Publikum. Etwas Wehmut schwingt in seiner Stimme. Die ”Cagelles” treten mit ”Wir sind, was wir sind” auf und das Publikum lernt das Singvögelchen Chantal (Patrik Hullman), die peitschenschwingende Domina Hanna (Eduard Burnaev) und Phaedra (Florian Hurler) mit dem leuchtenden Busen kennen. Wer ist eine Frau und wer ein Mann? Das gemischte Ensemble zeigt eine schöne Choreographie (Dennis Callahan) und die Männer können aus der Ferne wirklich als Frauen durchgehen. Der Star des Abends – Zaza – ist noch nicht fertig, alle hinter der Bühne sind hektisch. Im modern gestalteten Appartement von Georges und Albin (Zaza) läuft zur Freude des Publikums Norman Stehr alias Butler Jacob bzw. Zofe Claudine in wirklich hohen High Heels umher und hat seine Beine trotzdem wunderbar unter Kontrolle. Während der Show wechselt er oft das komplette Outfit und kann immer wieder mit humorvollen Einlagen glänzen. Auch Georges sucht Albin, doch der hat nur sein soeben zubereitetes Essen im Kopf. Windegger hat eine witzige Schürze um, auf der ein Schweinchen zu sehen ist und auch seine Füsse stecken in schweinchenförmigen Plüschpantoffeln. Amüsant ist das Spiel zwischen Windegger und Schreibmayer, als Albin Georges bittet ihm sein Fusskettchen anzulegen. Auf offener Bühne, während er ”Mascara” singt, verwandelt sich Albin in den Star Zaza. Gesanglich ist er in Höchstform, sein Auftritt kann nur noch mit einem riesigen Federnaufsatz am Kopf, der an ein Medusenhaupt erinnert, getoppt werden. Jean Michel (Sascha Oskar Weiß), ein Fehltritt aus Georges grauer Vergangenheit kommt zu Besuch und kündigt an, dass er Anne Dindon (Johanna Arrouas) heiraten werde. Weiß singt ein glaubhaftes ”Mit Anne im Arm” und schwärmt von seiner Verlobten. Dummerweise ist der zukünftige Schwiegervater der Generalsekretär der Union für Tradition, Familie und Moral, der die Familienverhältnisse von Jean Michels ”Eltern” sicher nicht für gut heißen würde. Jean Michael hat seine baldigen Schwiegereltern eingeladen, seine wirkliche Mutter Sybil und möchte nun alle Indizien, die auf das Anderssein von Georges und Albin hinweisen könnten, beiseite schaffen. Sein Vater kann die Bedenken verstehen. Albin glaubt, dass er bei Jean Michel’s Erziehung etwas falsch gemacht hat, da dieser eine Frau heiraten möchte. Georges bringt es nicht über’s Herz Albin zu sagen, dass er beim Treffen unerwünscht ist, stattdessen geht er mit ihm spazieren. Beim ”Song am Strand” zeigt Schreibmayer viel Gefühl bei seiner gesungenen Liebeserklärung. Schauplatzwechsel. Zaza hat im Nachtklub ihren großen Auftritt als Meerjungfrau im Brunnen, aus dem ihr herausgeholfen werden muss. Was dann folgt ist standup-comedy der feinsten Art, natürlich alles einstudiert, aber Windegger schaffte es, genauso, wie seinerzeit Hackl, es nicht so aussehen zu lassen. Man erfuhr, dass Zaza am liebsten die Bläser im Orchester hat und dass ”La Cage aux Folles” einfach nur ein anderes Wort für Heiligendamm (Ort des G8 Gipfeltreffens im Juni 2007) sei. Dem Publikum gefiel’s und belohnte die Einlage mit Applaus und viel Gelächter. Die danach folgende Nummer ”La Cage aux Folles” war mit Sicherheit das Highlight des Abends. In phantasievollen Kostümen und mit akrobatischen Einlagen beeindruckten die Darsteller. Auch Zaza im roten Glitzerkleid mit Federn am Kopf war ein Hingucker. Der Auftritt endete mit ihrer bekannten Schaukelposition. Windegger wollte danach spontan den Dirigenten vorstellen, doch der Name war im entfallen. Im Eiltempo kam eine Souffleuse, flüsterte ihm den Namen, Michael Tomaschek und die Szene konnte beendet werden. Alles lief sehr professionell ab und man hätte diese kleine Panne ohne weiteres für ein besonderes Zuckerl der letzten Show halten können. Nach dem Auftritt bekommt Albin Wind von der Räumungsaktion, die Jean Michel und Georges gestartet haben – alle verdächtigen Sachen müssen aus der Wohnung geschafft werden. Albin ist zutiefst verletzt und singt traurig ”Ich bin, was ich bin”, die Nummer des Stücks, die auch zu einer Hymne der Homosexuellenbewegung geworden ist. Erwin Windegger singt mit viel Gefühl und kommt mit seiner Interpretation des Songs beim Publikum gut an. Damit Albin doch beim Treffen mit den Dindons (Sigrid Martikke, Klaus Ofczarek) mit dabei sein kann, versucht Georges aus ihm Jean Michel’s Onkel Albert zu machen und will ihm mehr Männlichkeit antrainieren. Als Vorbild wird John Wayne herangezogen. Bei dieser Szene wirkt Windegger schon von Anfang an zu männlich, sodass der Unterschied nicht so deutlich zum Vorschein kommt. Im neu dekorierten und nun herzeigbaren Appartement erfährt Jean Michel, dass sein Onkel Albert dabei sein wird. Er ist empört und wirft Albin vor, dass er sein Leben zerstört hätte. Georges ergreift Partei für seinen Lebensgefährten. Ein weiteres Mal gibt es von Schreibmayer eine ergreifende Liebeserklärung. Dann geht alles Schlag auf Schlag. Jean Michel’s Mutter kann nun doch nicht kommen, dafür treffen die Dindons ein. Die Atmosphäre ist gespannt und dann erscheint Albin verkleidet in der Rolle der Mutter. Man entscheidet sich für ein Essen bei ”Chez Jacqueline”. Jacqueline (Isabel Weicken), die Zaza kennt und stolz auf so hohen Besuch ist, möchte, dass er etwas für die Gäste singt. Es folgt eine schöne dynamische Einlage des Ensembles. Leider fühlt sich Albin wie Zaza im Theater und reißt sich, wie am Ende jeder Show, die Perücke vom Kopf. Der Schock bei den Dindons sitzt tief. Sie möchten schnell weg, doch Anne steht zu ihrer Liebe Jean Michel. Alle sind ins Appartement von Georges und Albin geflüchtet, leider gibt es dort kein Entkommen, da die von Jacqueline gerufene Presse vor der Tür steht. Nachdem Her Dindon sein Einverständnis zur Heirat gegeben hat, fliehen alle durch den Nachtklub. Damit sie unerkannt bleiben, wurden sie in Kostüme gesteckt, wobei Vater Dindon der Höhepunkt der Parade ist. Zaza’s rotes Kleid, dass ihm viel zu lang ist und Tschinellen zwischen den Beinen stellen seine Verkleidung dar. Ofczarek sieht zum Schreien komisch aus. Als krönender Abschluss erscheint aber nicht Zaza, sondern Albin in einfachem Gewand. Georges und Albin fallen einander ein letztes Mal in die Arme und versinken in einem leidenschaftlichen Kuss.

Das Publikum spendete viel Applaus und holte die Darsteller etliche Male vor den roten Vorhang. Das Stück ist schon etwas Besonderes, denn es macht auf ein Thema aufmerksam, dass auch in der heutigen Zeit noch oft ein Tabu für viele ist. Es zeigt, dass jeder Mensch, egal wie er veranlagt ist, Respekt von den Mitmenschen verdient und auch ein Teil der Gesellschaft ist.

Erwin Windegger stand uns für ein kurzes Interview zur Verfügung:

Wie ist es für dich, alternierend mit dem großen Karlheinz Hackl die Zaza zu spielen? Hattest du keine Angst mit ihm verglichen zu werden?

Ich hatte nicht Angst, sondern es war mir sehr wohl bewusst, dass ich verglichen werde – zumindest von einigen Zuschauern. Als man mir das Angebot für diese Rolle gemacht hatte, kam natürlich der Gedanke “Mein Gott” wie wird das wohl sein. Karlheinz Hackl, der von mir geliebte Schauspieler war in dieser Rolle einigartig und grandios – ich habe es aber als große Ehre empfunden dass man mich dafür genommen hat.

Ich hatte ja schon ein wenig Erfahrung mit Wiener Stars – ich stand schon alternierend für Rainhard Fendrich (“Wake up”) und Alfons Haider (“The King and I”) auf der Bühne.

Ich habe schon früh gelernt die persönliche Eitelkeit und das Konkurrenzdenken abzulegen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren – das Stück, die Rolle und die Performance vor dem Publikum.

”La Cage aux Folles” war übrigens das erste Musical das ich in Wien vor vielen Jahren gesehen habe.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet? Hast du dir vielleicht sogar die Stöckelschuhe deiner Frau geborgt?

Nein, mit den Schuhen meiner Frau habe ich nicht geübt, da sie doch eine andere Größe hat (lacht), aber ich habe im Großen und Ganzen keine Probleme in Stöckelschuhen zu gehen, ich muss sagen es hat sehr viel Spaß gemacht.

Es hat so jeder seine Art sich auf eine Rolle vorzubereiten – ich beginne zuerst mit dem Text, der Musik und den Inhalt des Stückes. Dann versuche ich Haltungen für die verschiedenen Situationen im Stück zu finden. An der Volksoper hatte ich wunderbare Kollegen und ein tolles Regie-Assistententeam mit denen ich meine eigenständige Interpretation dieser Rolle finden durfte, wofür ich sehr dankbar bin.

Wie wohl fühlst du dich in der Rolle und wie lang dauert es, bis du ”körperlich und geistig” Zaza bist?

In dieser Rolle kann man sich nur gut fühlen! Ich bin gerne sehr früh schon im Theater und bis auf meine geistigen und körperlichen Übungen, die ich immer mache, brauche ich nichts, um in die Rolle zu schlüpfen – dazu sind die Proben da.

Hier spielen die Kostüme und natürlich die Maske eine große Rolle für das Erscheinungsbild – ich beobachte mich gerne vorher im Spiegel.

Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch viele spannende Rollen spielen darf, aber zunächst freue ich mich auf meine Herausforderung in Graz, da werde ich den Inspektor Javert in ”Les Miserables” unter der Regie von E.J. Köpplinger spielen. (Anm. der Red. die Premiere ist am 15.12.2007).
Quelle: Andrea Martin

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