Haarige Sache, aber noch lange kein alter Bart: Hair in Ingolstadt

Habt Ihr je gehört, wie der Schrei einer Mutter klingt, deren Sohn umgebracht wurde?

Habt Ihr je den Laut gehört, den ein Vater ausstößt, wenn er das Weinen unterdrückt?

Habt Ihr schon einmal gehört, mit welchen Tönen eine Nation eingelullt wird?

Es heißt, er sei gestorben, um dafür zu sorgen, daß unsere Fahne weiterhin flattert.

Aber ich glaube, dass er gestorben ist, damit uns das Erdöl erhalten bleibt.

Mit diesen unheilvollen und anklagenden Worten begann am 22. Juni 2007 im bayrischen Ingolstadt die Premiere des Musicals ”Hair”. Diese Zeilen, im Original geschrieben von Cindy Sheehan an den US-Präsidenten George W. Bush, stammen zwar nicht aus der Originalproduktion von 1967, passen aber genau in das Musical, als stammten sie aus den Federn von James Rado und Gerome Ragni. In Ingolstadt sprach diese Zeilen Gesine Lübcke in der Rolle der oben genannten ”Peace Mom” Cindy Sheehan.

So bedrückend, wie das Musical begann, ging es natürlich nicht weiter, denn ”Hair” handelt von Freiheit, Ungebundenheit und Liebe, aber auch von Moral, Rassismus und Gewalt. Auf der Freilichtbühne des Turm Baur in Ingolstadt wurde den begeisterten Zuschauern ein Musical der Spitzenklasse dargeboten, in dem es unter anderem Pferde und einen echten Swimmingpool, der auch eifrig genutzt wurde, gab. Auch der Jeep, der seine rasanten Runden auf der Bühne drehte, wurde mehr als nur einmal begeistert genutzt.

Die jungen und engagierten Darsteller, unter anderem Tobias Licht als Berger, der für das Glück seines Freundes Claude (Peter Reisser) das größte aller Opfer, sein Leben, gibt, brachten das begeisterte Publikum zur Ekstase, so daß man die Akteure erst nach 3 Zugaben von der Bühne ließ. Und auch da nur sehr widerwillig.

Unterstützt wurden die Darsteller von der Band ”The Tower of Baur”, die die eingängigen Lieder des Musicals, wie ”Aquarius” oder ”I got life” oder ”Let the sunshine” mit ihrer meisterhaften Leistung noch abrundeten und genau das auf die Bühne brachten, was ”Hair” ist, nämlich das Lebensgefühl der Hippies im New Yorker East Village.

Auch wenn das Wetter kurzzeitig nicht mitspielte, und es zu Beginn und am Ende der Vorstellung ein wenig regnete, trübte das keineswegs die Stimmung. Leider muß man bei Open (H)Air Produktionen mit Wetterkapriolen rechnen, doch da die Darsteller auf der Bühne sich teilweise im Swimmingpool vergnügten und die Zuschauer überdacht saßen, wäre wahrscheinlich sogar ein Regenguß kein Grund zur Absage gewesen.

Was am 17. Oktober 1967 im Shakespeare Public Theatre seinen Anfang fand, wurde am 22. Juni 2007, 40 Jahre später, würdig fortgesetzt. Man kann den Darstellern und Veranstaltern nur weiterhin solche gelungenen Aufführungen, wie die Premiere, wünschen.

Die Spieldaten für Ingolstadt und weitere Daten gibt es hier.

Übrigens, der oben zitierte Brief der Peace Mom an George W. Bush, wurde bis heute nicht beantwortet.
Quelle: Christine Daaé

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