Interview Susan Rigvava-Dumas

Sie sind in ”Rebecca” zweifellos ”die Böse”, trotzdem fliegen ihnen die Herzen der Fans zu. Woran, glauben sie, liegt das?

Ich denke, das liegt an der Vielseitigkeit dieser Person, an den wunderbaren Songs, die ich singen darf, an dem tollen Set und an der gesamten Geschichte überhaupt. Ich möchte Mrs. Danvers gar nicht als ”böse” bezeichnen. Sie ist einfach eine sehr moderne Frau, die für ihren Glauben, nämlich, dass Rebecca eine besondere Person war, kämpft. Dann verschwindet ihre Bezugsperson und Mrs. Danvers glaubt, dass etwas faul daran ist. Sie ist die einzige in dem Stück, die die anderen Personen mit dem Verlust von Rebecca immer wieder konfrontiert und ahnt, dass Maxim etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnte. Sie weiß, dass sie für ihn wichtig ist, weil sie die einzige ist, die dafür sorgen kann, dass sein sorgenfreies Leben in Reichtum so weitergeht. Damals war es sehr schwierig Reiche zu beschuldigen und in Folge zu verurteilen und somit sind diese beiden doch unterschiedlichen Charaktere sehr miteinander verbunden. Diese Tatsache macht das Stück zu einem sehr spannenden Erlebnis. Wenn man das Wort ”böse” verwendet, dann müsste man es eigentlich bei drei Personen anwenden. Maxim ist ”böse”, weil er Rebecca ermordet hat, Ich ist ”böse” weil sie sich letztendlich zu einer Mitwisserin der Tat und Komplizin von Maxim macht und Mrs. Danvers weil sie die neue Mrs. de Winter loswerden möchte.

Wie intensiv haben sie sich auf die Mrs. Danvers vorbereitet?

Ich habe natürlich vorher die Geschichte gelesen, aber es war für mich von anfang an klar, wie diese Frau eigentlich ist. Es war nicht schwierig mich in diese Rolle hineinzuversetzen.

Sie vermittelt eine unglaubliche Leidenschaft, die man hat, wenn man tief trauert. Man kann zeigen, wie man jemanden geliebt hat, der plötzlich nicht mehr da ist wie auch z.B. bei einer Mutter-Kind-Beziehung. Sie sorgt mit einer unglaublichen Kraft dafür, das geschehene Unrecht wieder gut zu machen. Mrs. Danvers hatte nie die Möglichkeit beruflich aufzusteigen und vielleicht träumt sie davon, genau so zu sein wie Rebecca war und all diese Sehnsüchte kann ich gut nachvollziehen und verstehen.

War ihnen der Roman ”Rebecca” von Daphne du Maurier schon bekannt oder mussten sie sich erst in die Materie einlesen?

Ich habe den Roman schon gekannt, ich habe ihn in der Schule gelesen.

Würden sie den Stunt am Ende der Show – ”die lebende Fackel” auch gerne einmal selbst machen?

Ich finde es sehr interessant, was Barbara Prewein macht. Ich habe mich auch vorher oft erkundigt, wie gut sie geschützt und wie gefährlich der Stunt ist, aber ich konnte immer beruhigt und meine Zweifel aus der Welt geschaffen werden. Trotzdem möchte ich soetwas nicht unbedingt selbst machen und überlasse es lieber den Profis, denn ich weiß ”Feuer ist heiß”.

Gibt es Charakterzüge der Mrs. Danvers auch in ihnen selbst?

Ja, die gibt es ganz bestimmt. Ich bin sicher auch jemand, der große Leidenschaft für etwas empfinden kann. Ich kämpfe auch für Gerechtigkeit, auch wenn das manchmal nicht immer klug ist und ich denke, wir sind beide starke Persönlichkeiten.

Ist es ihr erstes Engagement hier in Wien? Wie schwer fiel der Abschied aus Deutschland und ist ihre Familie für die Zeit von ”Rebecca” mit Ihnen gekommen?

Ja, es ist mein erstes Engagement in Wien und meine Familie ist mit mir hierher gezogen. Wir haben uns schon sehr gefreut, dass wir in diese dynamische Kulturstadt ziehen dürfen. Mein Mann ist bildender Künstler und hier gibt es ganz viel Kunst und Musik, was uns sehr entgegenkommt. Wir treffen beide oft auf alte Kollegen, die hier auftreten und arbeiten und es ist sehr schön, wenn man mit Leuten zusammensein kann, die man schon kennt, damit man sich nicht ganz fremd fühlt. Natürlich ist uns, vor allem mir, der Umzug schwer gefallen, da wir Wien überhaupt nicht kannten. Wir wohnten außerhalb von Stuttgart und hatten uns ein schönes Zuhause geschaffen. Aber ich habe mir die Option einer möglichen Rückkehr offen gehalten. Das ist in unserem business einfach wichtig, dass man mehrere Möglichkeiten hat. Wir sind aber nicht mit diesem Gedanken nach Wien gekommen. Meine Familie und ich wir wollten an einen Ort, wo wir alle das machen können, was wir wirklich wollen. Die berufliche Verwirklichung war für mich und meinen Mann wichtig und für die Kinder eine gute Schule zu finden.

Sie bleiben dem Ensemble Gottseidank nach der Verlängerung von ”Rebecca” bis zum Schluss erhalten – gibt es schon Pläne für danach?

Nein, noch nicht wirklich. Ich möchte mich noch nicht auf irgendetwas festlegen, was ich in Zukunft machen werde.

Wie sind sie mit dem Publikum und den Fans in Wien zufrieden?

Ich bin sehr sehr glücklich mit den Fans. Ich bin begeistert und stolz auf das Publikum. Alle sind sehr lieb und ich freue mich, dass ich sehr tolle, interessante Leute kennenlernen durfte.

Sie stammen ja eigentlich aus Holland, wie hat es sie nach Deutschland verschlagen?

Ich bin ca. 1990 für mein Studium nach München an die Hochschule für Musik gegangen. Nach meiner Ausbildung in Holland, wollte ich einfach noch viel mehr lernen und habe mir gedacht, dass Deutschland einfach passend ist, aufgrund der Musikkultur. Danach hat es mich auch nach Salzburg verschlagen und jetzt endlich nach Wien.

Wollten sie schon immer Sängerin werden oder haben sie auch etwas anderes gelernt? Und wie kommt es, dass man bei ihrem Gesang eigentlich gar keinen Akzent hört?

Ich wollte schon immer Sängerin werden. Zuerst habe ich eine Schauspielakademie besucht, erst dann habe ich angefangen Gesang zu studieren. Strenge Lehrer und viel viel Arbeit haben dazu beigetragen, dass mein holländischer Akzent beim Gesang fast verschwunden ist. Dass ich schon lang im deutschsprachigen Raum lebe, hat noch zusätzlich dazu beigetragen.

Zu Beginn ihrer Karriere haben sie hauptsächlich Opern gesungen, wie kam der Wechsel in den Bereich Musical zustande?

Eigentlich wollte ich zuerst Musical machen, war aber der Meinung, dass man dafür eine gut ausgebildete Stimme benötigt. Als ich dann die ersten Opern sang, waren die Leute rund um mich sehr begeistert und meinten, ich sollte doch weitermachen. Somit habe ich mit einem klassischen Studium begonnen. Nebenbei habe ich auch immer andere Sachen gemacht, um mich nicht nur auf diese eine Richtung festzulegen, z.B. Pop- oder Jazzmusik. Da kam es dann schon einmal vor, dass ich an Wochenenden kleine musikalische Seitensprünge machte, von denen niemand wissen sollte. Ich nahm heimlich an Rockkonzerten teil und am Montag widmete ich mich wieder Bach und Mozart, so als ob nichts gewesen wäre. Mit der Zeit habe ich meine Stimme gut kennengelernt und bin wieder auf das Musical zurückgekommen. Es hat von Anfang an dann auch gut geklappt und glücklicherweise kamen schnell die ersten Rollenangebote.

Sie hatten im Bereich Musical bis jetzt eher dominante und strenge Rollen, welche ”lustigen” Figuren würden sie gerne einmal spielen.

Lustige Rollen würde ich sicher gern spielen, aber natürlich müssen sie zu mir passen!

Viele Theaterstücke, egal welchen Genres, werden heutzutage sehr modernisiert dargestellt und verlangen oft so einiges von den Darstellern ab, sei es sich auszuziehen, eine Glatze zu tragen oder ähnliches. Gibt es etwas, das sie für eine Rolle nicht machen würden?

Ich würde eigentlich alles machen, wenn ich dahinter stehen kann und es richtig finde. Ich bin im Prinzip offen für alles.

Ein herzliches Dankeschön an Susan Rigvava-Dumas für das ausführliche und interessante Interview und alles Gute für die Zukunft.
Quelle: Andrea Martin

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