6 mit 45, ein kabarettistischer Solosexer von und mit Gernot Kranner, Metropol

Haben sie vielleicht schon einmal den Namen Gernot Kranner gehört? Ja genau, er war der Urprofessor Abronsius bei ”Tanz der Vampire” in Wien. 388 Vorstellungen spielte er in dieser Rolle und erhielt sogar den Imageaward 1998 als bester Nebendarsteller. Mit dieser Rolle ist er bekannt geworden, danach wurde es, zumindest international gesehen, etwas ruhiger um ihn, obwohl er u.a. auch an der Wiener Volksoper , im Volkstheater, im Stadttheater Baden, an der Oper Graz oder der Komischen Oper in Berlin Engagements hatte. Auch Fernsehrollen wie ”Tatort”, ”Schlosshotel Orth” oder ”Kommissar Rex” sind in seinem Lebenslauf zu finden.

Mit ”6 mit 45” versuchte er nun an den Erfolg vergangener Soloprogramme anzuknüpfen. Die Premiere fand am 30.4.2007 im Wiener Metropol statt und es wurde ein Abend voller Überraschungen und neuer Erkenntnisse. Das kleine Theater war so voll, wie schon lange nicht mehr und unter den Gästen befanden sich u.a. Christian Kolonovits, Andy Woerz (”Die Echten”), Katrin Fuchs, Andreas Sauerzapf, Christian Deix und natürlich Hausherr Peter Hofbauer.

Laut Gernot Kranner ging er mit dem Programm ein Risiko ein, da alles von ihm selbst war. Natürlich hatte er aber ein starkes Team hinter sich wie u.a. Thomas Enzinger (Co-Regisseur und Co-Autor), Christoph Riedl (Choreographie) und Walter Lochmann. Lochmann war auch derjenige, der die Texte Kranner’s mit der passenden Musik versah und für einige Ohrwürmer sorgte. Durch den Abend begleitete ihn eine 4-köpfige Band (Wilfried Modlik, Stephan Först, Markus Adamer und Walter Lochmann).

Das Programm setzte sich aus Songs, die das Leben (von Gernot Kranner) schrieb und charmant witzigen Überleitungstexten zusammen. Bei coolem Intro der Band erschien Kranner in Jeans, Lederjacke und Shirt, aber ohne sein Markenzeichen – den für ihn charakteristischen Hut. Kranner, der dieses Jahr wirklich 45 Jahre alt wird, besang in ”6 mit 45” das beste Alter (also seines) des Mannes für die vielleicht schönste Sache der Welt und freute sich, dass so viele Leute ins Metropol gekommen waren, da bei ihm zuhause keiner mehr kommt. Der zweite Song ”Im Steh’n” war auch gleichzeitig eines der, wenn nicht das Highlight, des Abends. Das Publikum erfuhr alle Einzelheiten wie sich der Mann erleichtert und dass er dabei seinen ”Kleinen” nie loslässt. Kranner vollführte wilde Luftsprünge, wackelte mit dem Po und war nicht mehr zu bremsen. Der Titel ”Peterchen” war einem seiner beiden Mehrschweinchen gewidmet. Das zweite trägt den Namen ”Anneliese”. Sehr traurig erzählte er von dem Schicksal, das dem Weibchen widerfahren war, damit es keine Babies mehr bekommen kann. ”Druntn” war ein Song gemäss dem Motto ”darf’s a bisserl Mord und Totschlag sein”. Als nächstes erschien er in Janker und Trachtenhut, mit teuflischem steirischen Lacher sowie Akzent und einer halbtoten Tulpe. Das Publikum war dafür, diese wegzuwerfen, aber Kranner wollte einen Live-Leistungstest abliefern – was steht schneller, die Tulpe, wenn er sie in Zuckerwasser steckt oder sein bestes Stück, wenn er Viagra nimmt. Nach einigen Pillen durchfuhr es ihn plötzlich und er konnte sich vor lauter Zuckungen kaum noch halten. Bei der Tulpe rührte sich hingegen nichts – sie hatte verloren. ”You 6 me up” war die logische Schlussfolgerung. Mit ”Halbzeit” wurde die Pause eingeläutet. Lochmann durfte mit einer Trillerpfeife die Kommandos geben und Kranner tanzte im wahrsten Sinn des Wortes nach seiner Pfeife.

Zu Beginn des zweiten Teils erschien Gernot Kranner in schwarzem Anzug mit rotem Gürtelband, schwarzer Brille und vor allem mit plötzlich gewachsenen Haaren als personifizierte ”Liebesfalle”. Gleich nach diesem Titel musste er aber wieder Haare lassen und kehrte zu seinem eigenen ich zurück. Nach einer tollen Show, die er bei ”Wurzelbehandlung” lieferte, gab er zu ”Ich liebe einen Therapeuten” und träumte von Doktorspielchen. Mit den letzten drei Songs wurden plötzlich andere Töne angestimmt. Ruhig und besinnlich präsentierte er ”Die Liebe”, ”If” und ”Wieviel noch”.

Das Publikum war aber alles andere als still, applaudierte begeistert und verlangte nach mehr. Als erste Zugabe gab es noch einmal ”6 mit 45”, danach folgte das gelungene ”Im Steh’n”.

Die Gäste waren noch immer nicht zufrieden gestellt und so wurde noch einmal ”You 6 me up” angestimmt. Diesmal fiel es aber anders als beim ersten Mal aus, da er plötzlich begann sich die Kleider vom Leib zu reißen. Das Publikum war hellauf begeistert und jubelte. Im Endeffekt stand Kranner nur mehr in Liebestöterunterwäsche und mit seiner Tulpe in der Hand auf der Bühne und war mehr als erleichtert, dass sein Soloprogramm so positiv aufgenommen wurde.

Auf die Frage, wie seine Ideen zustande kommen, erwiderte Kranner:

”Mir schwirren dauernd Sachen im Kopf herum. Wenn sich eine Idee konkretisiert, gehe ich ein paar Tage mit ihr schwanger und dann erst schreibe ich sie nieder. Viele Liedertexte entstehen in der Nacht zwischen Mitternacht und drei Uhr früh, da ich Stille und Ungestörtheit brauche. Für einen Song benötige ich ca. ein bis zwei Stunden. Es macht mir irrsinnig Spaß ein Blitzdichter und Spontanpoet zu sein.”

Dass die Besucher auch ihren Spaß hatten ist nicht zu leugnen – Herr Kranner bitte mehr solcher tollen Ideen.
Quelle: Andrea Martin

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