Krawutzi Kaputzi!, Simpl

Lachen ist ja bekanntlich sehr gesund, da dabei sehr viele Muskeln beansprucht werden. Allein schon deshalb ist ein Besuch im neuen Programm ”Krawutzi Kaputzi!” absolut gesundheitsfreundlich. Dass eine Überdosis Lachen auch negative Wirkungen haben kann, wird jeder merken, wenn er danach einen Gesichtsmuskelkater hat.

Für schwache Nerven ist ein Besuch bei Pezi, Helmi, Fips & Co nicht zu empfehlen, nicht umsonst trägt die Show den Untertitel ”strengstes Jugendverbot”.

Der Jugend entwachsen empfanden sich auch viele Prominente, die am 13.4.2007 bei der Premiere anwesend waren u.a. Kim Duddy, Martin Gellner, Sigrid Hauser, Andreas Bieber, Steffi Paschke, Christoph Fälbl, Aris Sas, Cedric Lee Bradley, Herbert Steinböck oder Sabine Mayer-Fowler.

Das besondere an diesem Stück ist die Tatsache, dass die Darsteller mit Puppen spielen. Riesige Handpuppen, die aber nur aus Kopf und Torso bestehen, sind die eigentlichen Akteure. Das Ensemble verschmilzt regelrecht mit ihnen. Man weiß gar nicht, ob man zuerst auf den dezent in schwarz gekleideten ”im Hintergrund” agierenden Darsteller oder die farbenfrohen Puppen achten soll. Besonders schwierig für die Darsteller ist die Koordination des Mundes/Schnabels/Schnauze mit dem zu sprechenden Text. Mit Sicherheit sind sie aber froh, dass nur eine Hand und nicht gleich der ganze Körper in der Puppe steckt. Sehr einfallsreich gestaltete sich das Bühnenbild (Markus Windberger), das sich in Buchform präsentierte und durch einfaches umblättern oder drehen die verschiedensten Örtlichkeiten zeigte.

In Meidling treffen die Charaktere, die großteils aus dem kleinen Felsental ausgewandert sind aufeinander und ungewöhnliche Ereignisse nehmen ihren Lauf. Die Songs haben alle etwas Wienerisches an sich, sind lustig und unterhaltsam. Die gesangliche Leistung einiger Darsteller lässt zwar zu wünschen übrig, aber es geht ja hauptsächlich um den Unterhaltungsfaktor und da verzeiht man gerne den ein oder anderen unsauberen Ton. Johannes Glück (Buch, Liedtexte, Musik) hat sich wirklich allerhand einfallen lassen, um die kleinen Helden wieder aufleben zu lassen.

Pezi & Minki (Otto Jaus & Sigrid Spörk)

Pezi ist mittlerweile 29, studiert noch immer Boku und verdient mit seiner kleinen, aber feinen Hanfanpflanzung im Schlafzimmer sein Geld. Pezi hat eine ausgeprägte Sammelleidenschaft, nämlich One Night Stands. Der 1000ste steht vor der Tür und die biologische Uhr tickt. Seine wichtigste Bezugsperson ist sein Großvati, der allerdings auch nicht mehr der jüngste ist. Als plötzlich Minki, Pezis Jugendfreundin in Meidling auftaucht wird sein Liebesleben ordentlich durcheinander gebracht. Aber nach dem Motto, was sich liebt, das neckt sich, fliegen oft die Fetzen, bis sie sich zu guter letzt doch in die Arme fallen dürfen. Der Puppe wurde ein kleines Ziegenbärtchen, eine freche Stehfrisur und ein Tattoo verpasst und sobald er sich seines Leibchens entledigt, kann man sein Sixpack samt Brustpiercing sehen.

Minki ist ein fesches Katzerl geworden und ist schon seit Jahren auf der Suche nach dem einen, der sie glücklich macht. Die Puppe hat ein geblümtes Kleidchen an und auch auf die weiblichen Rundungen wurde nicht vergessen.

Am heftigsten fällt die Bettszene zwischen den beiden aus. Pezi geht Minki ordentlich ans Fell, das Publikum muss ihnen mit 1,2,3 zählen zum Höhepunkt verhelfen, welcher mit dem Ausruf ”Krawutzi Kaputzi” von Pezi endete.

Otto Jaus gibt den chauvinistisch veranlagten Bären mit breitem Wiener Dialekt sehr glaubwürdig. Sigrid Spörk ist anfangs das schüchterne Katzerl, das es aber doch auch faustdick hinter den Ohren hat. Die Songs der beiden sind u.a. ”Hot Tschicks”, ”Aner” oder ”Ganz ganz lieb”.

Dagobert & Mimi (Ronald Seboth & Susanne Altschul)

Dagobert ist zur Zeit Angestellter im Cafe Özgül und verheiratet mit Mimi, der äußerst erfolglosen Sängerin. Sein Wortschatz ist sehr begrenzt uns seine Lieblingswörter sind ”Buttati” (was das auch immer heißen mag), als auch ”Bussi Bussi”. Ab und zu entkommt ihm auch noch ”Schleckerbatzl”, aber das war es dann auch schon. Da die Beziehung der beiden nicht sehr gut läuft, wollen seine Freunde helfen und geben ihm den Tipp seinen Wortschatz im Internet unter www.duden.de zu verbessern. Leider landet er auf einer komplett falschen Seite. Seine Lernerfolge stellt er immer wieder unter Beweis, was für ordentliches Gelächter sorgt. Auch das Feuer spucken funktioniert nicht mehr, erst als Mimi in Gefahr ist, findet er mit Helmis Hilfe seine Flamme wieder und kann seine Frau beeindrucken.

Mimi, die Gans (ehemaliges Highlight aus ”Am Dam Des” beim ORF) hat ein anspruchsvolles Liederrepertoire auf Lager, leider fehlt ihr dazu die nötige Singstimme. Ihr einziger wahrer Feind ist das Klimakterium, das ihr sehr zu schaffen macht, da sie immer so ”a Hitz” in sich hat.

Ronald Seboth als zutzelnder Drache mit riesen Kulleraugen, dem beim Sprechen fast die eigene Zunge heraushängt ist eines der Highlights der Aufführung. Obwohl er nur wenig Text hat, erzielt er gerade mit seinen Aussagen die meisten Lacher. Allein wenn man nur in sein Gesicht sieht, muss man schon schmunzeln, da er mit seiner Rolle richtig mitlebt. Susanne Altschul hat die einzige Rolle übernommen, die wirklich falsch singen darf, was sie auch nach Leibeskräften tut. Je höher die Töne werden, umso eher möchte man sich die Ohren zuhalten und die Geräusche von berstendem Glas sind absolut passend.

Kasperl & Tintifax (Roman Straka & Otto Jaus)

Diese beiden Figuren aus dem ehemaligen Zirkus Habakuk sind die am meisten entstellten Charaktere. Beide sind obdachlos und ”Augustin”-Verkäufer und planen einen Überfall auf die Trafik vom Großvati.

Roman Straka und Otto Jaus liefern mit dem Song ”Fernsehn is zum odrahn do” die Einlage des Abends. Beide beweisen eine schnelle Zunge und nehmen in Gstanzln die heimische Fernsehwelt aufs Korn, dass kein Auge trocken bleibt. Sie legen mit totalem Körpereinsatz eine irre Tanzshow aufs Parkett, dass die Bühne schon fast zu klein wird.

Großvati (Ronald Seboth)

Mit seinen 89 Jahren ist er schon sehr gebrechlich und auch sein Herz ist schon schwach. Sein Geist ist jedoch noch wach und so ist er immer für lehrreiche Geschichten wie ”Das Leben is a Huscher” und weise Ratschläge zuständig. Obwohl er gerne den ”Playbär” liest, entsetzen ihn die Feuerzeuge mit nackten Tatsachen, die Pezi verkaufen möchte.

Ronald Seboth macht sich auch gut als Lebensweisheiten von sich gebender Großvati, der vor allem kurz vor seinem Tod für die Erkenntnis des Abends sorgt, nämlich dass er Helmis bester Kunde war.

Fips (Roman Straka)

Mit dem Beruf der Maus wird ein aktueller Bezug auf die Geschehnisse bei der BAWAG geschaffen. Alle ersuchen ihn etwas für sie zu ”drehen”, doch er muss immer ablehnen. Fips gibt sich als cooler Typ, doch tief im Inneren ist er sehr verunsichert, da er schwul ist und sich noch nicht geoutet hat. Verliebt ist er in Pezi, der aber ”nur” sein bester Freund sein möchte. Mit Minkis Hilfe versucht er über eine Singlebörse im Internet den richtigen Partner zu finden. Sein Nickname ist ”traummaus31w”. Sein erstes blind date hat er sich anders vorgestellt, als es tatsächlich abläuft, vor allem als sich herausstellt, dass Helmi seine Verabredung ist.

Roman Straka nimmt man den Part des unsicheren, verliebten Mäuserichs, der letztendlich zu sich und seinen Gefühlen steht total ab. Sehr berührend als er Pezi alias Otto Jaus seine Liebe gesteht.

Herr Helmi (Claudia Rohnefeld)

Die Figur sieht schon sehr ramponiert aus. Die Sprünge und Pflaster am Helm stammten allesamt von seiner ”verkehrssicheren” Fahrweise. Er ist überhaupt nicht glücklich mit seinem Leben, da er nie am einarmigen Banditen gewinnt und auch seine Geschäfte mit bestimmten Pflanzen zum Rauchen könnten besser gehen. Als er sich selbst in die Luft sprengen möchte, kann er von seinen Freunden noch rechtzeitig davon abgehalten werden. Mit ”Wean is zum Sterbn zu schee” schildern sie ihm, was man alles nicht mehr tun kann, wenn man tot ist.

Diese Figur wird trotz ihrer ”Männlichkeit” von Claudia Rohnefeld gespielt. Sie gibt ihm eine sehr charakteristische Stimme und macht fast immer denselben herunterhängenden Mund, wie ihre Puppe. Frech und vorlaut ist ihr Helmi und ihr Lied ist ”Augen zu, Ohren zu”.

Herr Özgül (Roman Frankl)

In Özgül’s typisch türkischem Cafe spielen sich viele der Szenen ab. Er ist eine gute Seele, die mit Rat und Tat allen zur Seite steht, nach dem Motto ”man muss sagen wie ist”.

Roman Frankl ist der einzige, der nicht durch die Puppe spricht. Er redet gekonnt mit türkischem Akzent, den er toll die ganze Show über beibehält, dass man meinen könnte, er spricht so und nicht anders.

Zwerg Bumsti (Roman Straka)

Bumsti wirkt aufgrund seiner Segelfliegerohren, aus denen die Haare büschelweise wachsen, den Bartstoppeln und seiner Ausdrucksweise nicht wirklich sehr vertrauenswürdig. Aus der Not heraus wird er zu einem Konkurrenten für Pezi, da Minki den Bären mit ihm eifersüchtig machen will.

Straka sorgt auch in dieser Rolle oftmals für Lacher und kann mit insgesamt vier Rollen beweisen, was in ihm steckt.

Weitere Figuren in kleinen Rollen waren:

Zicki (Claudia Rohnefeld) eine verführerische Ziege, die es auf Pezi abgesehen hat,

Papotin (Susanne Altschul) verkauft in bester Manier französische Crepes, die auch schon mal selbst tonangebend werden,

Tobias (Roman Straka) ein tattriger Affe, der Mimi instrumental begleitet,

Frau Maus (Susanne Altschul) die Gattin von Zwerg Bumsti

die Faserschmeichler (Spörk, Altschul, Rohnefeld) treten dann in Aktion, wenn es im Bett heiß her geht.

”Krawutzi Kaputzi” ist eine Show voller Überraschungen, wobei es teilweise sehr viele ”nicht jugendfreie” Gags hintereinander gibt. Ein Abend zum Kaputtlachen ist auf alle Fälle garantiert, auch wenn ein nicht allzu hohes Niveau geboten wird. Das Programm läuft noch bis September. Details findet man auch unter www.krawutzikaputzi.at.
Quelle: Andrea Martin

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