Jesus Christ Superstar, Raimundtheater

Österliche Traditionen sind etwas Schönes und sollten beibehalten werden. Dies fanden auch die Vereinigten Bühnen Wien und so gab es auch dieses Jahr, wie schon in den Jahren zuvor, an drei Tagen eine konzertante Aufführung von ”Jesus Chris Superstar”. Die Tickets für die Vorstellungen verkauften sich anfangs etwas schleppend, aber kaum wurde die Besetzung der Hauptrolle bekannt, gingen sie weg, wie die warmen Semmeln. Die Wiederkehr Rasmus Borkowskis, dem Lieblings aus ”Romeo & Julia” Zeiten, wurde vielbejubelt und so mancher Fan besorgte sich gleich für alle drei Shows eine Karte. Prompt waren binnen kürzester Zeit so gut wie alle Karten vergriffen und viele konnten Ostern aus diesem Grund gar nicht mehr abwarten.

Innerhalb der weiteren Cast gab es auch kleine Besetzungsänderungen. Stefan Cerny stand als Kaiphas auf der Bühne, Noud Hell war Petrus und Sean Gerard trat als Jesusgegenspieler Judas auf. Die weiteren Rollen wurden wieder mit Caroline Vasicek (Maria Magdalena), Max Volt (Simon/Annas), Andrè Bauer (Pilatus), Jacqueline Braun (Herodes, Soulgirl), Kathleen Bauer und Tina Schöltzke (Soulgirls) besetzt.

Jesus Christus, zuerst von Jüngern umgeben und verehrt, dann von Judas verraten und zu guter letzt gedemütigt, gefoltert und ans Kreuz genagelt. Andrew Lloyd Webber (Musik) und Tim Rice (Text) haben ein bewegendes Werk geschaffen, das u.a. auch von der Ausstrahlung der einzelnen Charaktere, insbesondere natürlich der des Jesusinterpreten, lebt. Yngve Gasoy Romdal oder Rob Fowler im letzten Jahr legten hier die Messlatte sehr hoch. Rasmus Borkowski ist zweifellos gutaussehend und bringt auch viele Voraussetzungen für bestimmte Rollen mit, nur leider funktioniert es nicht mit jeder neuen Rolle so, wie bei der konzertanten Aufführung von ”Mozart!”. Hier bewies er wirklich seine Wandlungsfähigkeit und war eine gute Wahl. Für Jesus hätte er sich aber seine Zusage besser zweimal überlegt, da dieser Charakter noch eine Spur zu groß für ihn ist. Wenn die Jesus-Figur inmitten der Jünger auf der Bühne steht (”Hosanna”), muss sie genauso charismatisch strahlen, wie wenn sie alleine (”Gethsemane”) agiert. Borkowski ging aber vor allem auch stimmlich unter. Die hohen Passagen machten ihm zu schaffen, oft überschlug sich seine Stimme oder sein Gesang wirkte eher schreiend. Er ist für einen Jesus-Darsteller noch sehr jung, vielleicht schafft er es in einigen Jahren dem Charakter Glaubwürdigkeit einzuhauchen.

Die Wahl von Sean Gerard als Judas überraschte sicher auch viele, da er nicht wie der typische Judasdarsteller wirkt. Leider konnte auch er mit seiner doch eher poppigen Stimme die Botschaft der Songs ”Heaven on their minds” oder ”Damned for all time/Blood money” nicht gut transportieren. Erst der Finalsong ”Jesus Christ Superstar” war sein Song, bei dem er über die Bühne von links nach rechts und wieder zurück tobte.

Caroline Vasicek als Maria Magdalena war keine Fehlentscheidung und sie zeigte mit ihrer sanften Stimme, wie schon 2006, wie Lieder wie ”Everything’s alright” oder ”I don’t know how to love him” gesungen gehören.

Wer Stefan Cerny sieht, der vermutet keine so tiefen Töne in ihm. Für den Kaiphas war er damit aber zweifelsohne eine gute Wahl. Einzig und allein seine Augenbraue, die er immer wieder nach oben zog, wirkte nicht wirklich bedrohlich, sondern eher das Gegenteil.

Max Volt, der in einem früheren Leben als Reinwald Kranner durch’s Leben ging, hätte sich keinen passenderen Nachnamen zulegen können. Als Simon rockte er energiegeladen bei ”Simon Zealotes” aller erster Klasse das Haus und sogar die seitliche Bühnenbeleuchtung unterstützte ihn dabei. Während er im Lied ”you got the power” sang, kann man nur sagen, dass er sie selbst für sich gepachtet hatte und mit seiner Einlage zweifellos aufhorchen ließ. In Siegerpose beendete er den Titel und genoss, sichtlich glücklich und erleichtert, minutenlangen Applaus. Vielleicht haben die Verantwortlichen jetzt endlich gesehen, was in diesem Künstler steckt und geben ihm nächste Ostern eine etwas größere Rolle, wo er noch mehr zeigen kann.

Andrè Bauer lieferte bei ”Pilates Dream” wie immer eine souveräne Leistung, beeindruckte aber besonders bei ”Trial before Pilate”. Noud Hell als Petrus hatte eher eine Nebenrolle, die nicht viel zu sagen hatte. Beim Duett mit Caroline Vasicek kam es zu einer schönen Kombination der sanften Töne. Auch dieses Jahr übernahm Jacqueline Braun den Part des Herodes und unterhielt bei ”King Herod’s Song” das Publikum blendend mit cooler Brille und Federboa. Eine kleine Tanzshow, schrille Lacher und eine passend überdrehte Darstellung rundeten die Interpretation dieses Charakters ab. Mit Kathleen Bauer und Tina Schöltzke vervollständigte Braun auch das Trio der stimmgewaltigen Soulgirls.

Leider war das Orchester, unter der Leitung von Walter Lochmann, oftmals um einiges zu laut und die Darsteller mussten regelrecht dagegen ankämpfen, um auch gehört zu werden. Obwohl die Künstlerwahl dieses Jahr nicht in allen Fällen glücklich getroffen wurde, war das Intermezzo von ”Jesus Christ Superstar” wieder ein voller Erfolg und man darf gespannt sein, wer im nächsten Jahr auf der Besetzungsliste stehen wird.
Quelle: Andrea Martin

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