Interview Carin Filipcic

Du bist in den letzten Jahren, u.a. auch dank deiner einmaligen Interpretation der Amme in ”Romeo & Julia” zu einem der Publikumslieblinge in Wien avanciert. Wie gehst du mit dem herrschenden Fankult um?

Ich freue mich unglaublich über diesen großen Zuspruch und nehme das als ganz großes Kompliment an meiner Arbeit. Die Fangemeinde ist von Show zu Show, von Stadt zu Stadt verschieden und das ist auch gut so, denn letztendlich möchte ich immer wieder auf´s Neue ein Publikum erobern. Ausruhen darüber, dass ich den Leuten ohnehin fast immer gefalle, wäre künstlerisch sowieso der Tod. Natürlich gibt es ab und zu Menschen, die dich derart vereinnahmen, dass es unangenehm wird und die die Rolle, die du spielst, mit dir als Person verwechseln. Aber letztendlich ist das Wiener Publikum ein unglaublich großzügiges, das dich trägt, und das ich jeden Tag auf´s Neue total genieße.

Warst du eigentlich in deiner Jugend auch ein Fan von jemandem und hast du vielleicht sogar Autogramme zuhause?

Ich war als Jugendliche ein großer Fan von Bryan Adams. Ich schätze seine Kraft und seinen Charme sehr und kann mich noch gut erinnern, als ich damals mit 13, als ich seine Musik hörte, vor Freude und Begeisterung geweint habe. Aber offensichtlich war´s mir nie so wichtig, ein Autogramm zu bekommen, obwohl ich wie jeder Fan sämtliches Material bis zum kleinsten Papierschnipsel gesammelt hab.

Du hattest in den letzten Jahren mit deinen Engagements viel Glück und musstest nicht allzuviel herumreisen. Viele waren in Wien oder innerhalb Österreichs. Bist du eher eine Sesshafte oder hättest du auch gerne ein Engagement in Deutschland gehabt?

Ich war auch schon in Deutschland und der Schweiz und habe z.B. ”Les Miserables” in Duisburg oder ”Grease” in Basel gemacht. Danach bin ich sogar für ein halbes Jahr nach Berlin gezogen, weil ich in Deutschland bleiben wollte. Mit ”Mozart!” haben dann meine Engagements in Wien begonnen. Obwohl ich wieder aus Österreich wegwollte, bekam ich immer wieder die Gelegenheit superschöne Stücke spielen zu dürfen und bin deshalb auch geblieben. Sollte ich aber ein interessantes Angebot außerhalb Österreichs erhalten, dann würde ich mich sicher freuen, wieder einmal woanders spielen zu dürfen.

Kanntest du den Roman ”Rebecca” und was hast du dir gedacht, als du von dem neuen Musical gehört hast?

Ich habe in den 70er oder 80er Jahren an einem Sonntag den Film gesehen und kann mich noch an die Dunkelheit und den Hauptdarsteller erinnern. Den Roman hab ich dann erst vor der offiziellen Probenphase gelesen. Ich war ja beim workshop vor zwei Jahren dabei, wo das Stück als quasi konzertante Aufführung intern gezeigt wurde. Das war damals noch über vier Stunden lang! Dem Stück gegenüber war ich eigentlich von Anfang an positiv eingestellt und fand es eine interessante und spannende Geschichte. Ein richtiges Krimimusical, von denen es eigentlich ziemlich wenig gibt.

Auf den ersten Blick scheint die Mrs. van Hopper ein sehr selbstsüchtiger Charakter zu sein. Wie würdest du diese Rolle charakterisieren und kannst du dich mit ihr identifizieren?

Die Hopper ist jemand, die glaubt, sie hat 100 Freunde, aber wenn sie in einer Gruppe ist, widerfährt ihr nur Ablehnung, die sie nicht mal bemerkt. Sie versucht die Aufmerksamkeit ständig auf sich zu lenken und benimmt sich zeitweise sogar wie ein trotziges Kind. Mit diesem Charakter kann ich mich eher nicht identifizieren. Natürlich bin ich auch extrovertiert und kann auch dominant sein, aber ich bin kein Tyrann, wie die Mrs. van Hopper (lacht).

Du stellst in den meisten deiner Rollen starke Frauen dar, die aber leider nicht so häufig, wie andere Charaktere, zu sehen sind. Wärst du gerne auf der Bühne präsenter?

Ja natürlich. Klar. Aber ich habe in den letzten Jahren das Glück gehabt, so unterschiedliche Rollen spielen zu dürfen, da ist es total ok, wenn die zu spielende Person nicht die ganze Zeit auf der Bühne steht. Für mich ist vor allem der Charakter einer Rolle wichtig und ich bin froh, dass ich soviele verschiedene wie z.B. die Fantine (Anm. der Red. Carin wird ab 15.12.2007 an der Grazer Oper wieder diese Rolle spielen), die Lesbe in ”The Wild Party” oder die Amme in ”Romeo & Julia” verkörpern durfte. Natürlich würde ich auch gerne wieder eine Rolle spielen, die sich durch das ganze Stück durchzieht, obwohl ich selbst die Amme doch als eine große Rolle empfand. Es ist aber vor allem eine Frage des Typs. Ich bin z.B. keine typische ”Evita”-Darstellerin, noch nicht oder vielleicht auch nie, es sei denn, jemand hat einen guten Grund diese Rolle mit mir zu besetzen. Solang es aber so ist, wie jetzt und ich Rollen entwickeln und in deutschsprachigen Erstaufführungen mitspielen darf, ist es egal, ob ich für zwei oder fünf Songs auf der Bühne stehe, wichtig ist die Arbeit, die ich in die einzelnen Rollen hineinstecke und was man daraus macht.

Gibt es eine Rolle, die du um kein Geld der Welt spielen möchtest? Und wenn ja, warum nicht?

Ich glaube nicht (die Antwort kommt nach langem Nachdenken). Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass ich alles annehmen würde, was mir angeboten wird, aber das hängt auch davon ab, warum mich jemand für eine Rolle möchte. Ich weiß natürlich schon, was gut oder schlecht für mich ist, aber wenn mir der Regisseur glaubhaft erklären kann, dass ich für eine Rolle geschaffen bin, dann würde ich auch sicher eine Rolle annehmen, in der ich mich sonst nicht sehe.

Du scheinst sehr experementierfreudig zu sein, u.a. auch was deine Haare betrifft. Zuletzt hast du deine Fans mit blonden Haaren überrascht, wie kam es dazu?

Ich hatte im Sommer 2006 das Gefühl, dass ich etwas an mir ändern möchte. Ich wollte abnehmen, was mir auch nach zweiwöchigem Fasten und Ernährungsumstellung bis jetzt ganz gut gelungen ist, um mit einem neuen Gefühl mit der neuen Produktion starten zu können. Ich hatte anderthalb Jahre ”Romeo & Julia” im Raimundtheater hinter mir, habe fast jeden Tag die Amme gespielt und wollte aus diesem täglichen Rhythmus ausbrechen. Ich musste nach dem Erfolg dieser Produktion einfach abschalten, damit ich mich wieder auf etwas Neues einlassen kann. Ich wollte mir auch schon immer die Haare blond färben und da man diese unter der Perücke der Mrs. van Hopper gut verstecken kann, habe ich es einfach getan. Alle paar Jahre möchte ich mich einfach verändern und tue das dann auch.

Du hast auch schon einmal einen Ausflug in die Welt des Fernsehens gemacht (Anm. der Red. ”Novotny & Maroudi”). Wie war diese Erfahrung für dich und könntest du dir vielleicht eine längere Filmrolle neben oder statt einem Theaterengagement vorstellen?

Das Filmen war sehr spannend, weil alles viel schneller geht als beim Theater. Die Probenzeit ist total anders. Ich bin es vom Theater her gewöhnt, mir Zeit lassen zu können, um mich in eine Rolle hineinzuarbeiten. Beim Fernsehen muss man zum Teil viel spontaner sein, vor allem, wenn man mit zwei genialen Menschen wie Andreas Vitasek und Michael Niavarani zusammenarbeitet, die einfach Improvisationskönige sind. Zu weiteren kleinen Ausflüges in die Welt des Films und Fernsehens würde ich sicher nicht nein sagen, aber ich stehe viel lieber auf der Bühne und spüre die Nähe des Publikums.

Du bist eine Perfektionistin, aber nach dem Motto ”Künstler sind auch nur Menschen” kann schon einmal etwas passieren. Was war für dich das bisher Peinlichste, das auf der Bühne passiert ist?

Peinlich ist mir eigentlich selten etwas, Texthänger oder ”Versingen” ist einfach nur menschlich. Aber natürlich ärgert es mich als Sängerin schon sehr, wenn ich einen Ton ”versemmle”. Was ich manchmal peinlich finde ist, wenn das, was man vermitteln möchte nicht funktioniert. Wenn z.B. das Publikum lachen soll und es die Situation aber überhaupt nicht komisch findet. Das liegt nicht immer an einem selbst, sondern vielleicht an der Regie oder am Buch, ist aber sehr unangenehm für den Künstler, da er sich doch irgendwie ”nackt” und unverstanden vor dem Publikum fühlt und er quasi ja der ist, der´s Ausbaden darf….;-)

Wurde dir dein musikalisches Talent in die Wiege gelegt oder musstest du es dir erst hart erarbeiten?

Ich bin schon sehr dankbar für das Gottesgeschenk, dass ich mit meiner Stimme erhalten habe. Ich habe seit je her Lust und Freude am Singen und wenn mir jemand sagt, dass ihn berührt wie ich singe, dann fühle ich mich nicht nur in meiner Arbeit bestätigt, sondern auch irgendwie in meiner Seele, in meinen ganz persönlichen Gefühlen und Gedanken. Was ich mir allerdings erst aneignen musste, das war der Mut mit meiner Gabe nach außen zu gehen. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich das nötige Selbstbewusstsein hatte, um mich vor Leute hinzustellen und sagen zu können ”hier bin ich”.

Solokonzerte sind zur Zeit sehr angesagt, würdest du gerne selbst eines einmal machen?

Ja natürlich. Ich habe den Gedanken seit über einem halben Jahr, aber ”gut Ding braucht Weile”. Es wird aber sicher in der Zukunft ein eigenes Solokonzert geben.

Könntest du dir vorstellen, später einmal vielleicht selbst Regie zu führen?

Ich glaube ich bin gut im Coachen von Personen, sozusagen ”Regie an der Person selbst”, was ich auch schon mache. Richtig Regieführen interessiert mich als Tätigkeit für mich persönlich nicht so, ich bin lieber auf der Bühne und probiere die verschiedensten Sachen lieber selbst gleich aus.

Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückblickst, würdest du irgendetwas anders machen oder bist du zufrieden?

Ich befürchte, man wird nie ganz zufrieden sein und das ist vielleicht auch gut so, weil es den Motor braucht, um sich ständig weiterzuentwickeln. Ich würde nichts anders machen wollen, weil ich weiß, dass der Weg, den ich eingeschlagen habe, richtig für mich war und ich so zu dem wurde, was ich jetzt bin. Was mich tief drinnen glücklich macht, ist, dass ich auf meine Sehnsucht Sängerin zu werden, gehört habe, trotz aller mehr oder minder großen Steine, die auf dem Weg gelegen sind, oder noch liegen werden.

Ein herzliches Dankeschön an Carin Filipcic für das ausführliche und aufschlussreiche Interview und alles Gute für die Zukunft.
Quelle: Andrea Martin

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