King of Jazz, Satchmo – The Louis Armstrong Story

Louis Armstrong, Trompeter, Sänger und Entertainer war und bleibt der bekannteste Jazzmusiker überhaupt und ist aktuell wieder auf Tournee im deutschsprachigen Raum. Vom 15.-17.2.2007 machte er auch Station in der Wiener Stadthalle. Nein, natürlich nicht ”Onkel Satchmo” selbst, sondern Alvin Le-Bass, der die Jazzlegende wieder auferstehen ließ.

Im Rahmen eines Interviews, das Brenda (Jennifer Boone) mit dem schon in die Jahre gekommenen Armstrong führt, ruft er sich sein früheres ich (welches Ulrike Nieding verkörpert) in Erinnerung und erzählt seine Geschichte. Diese lässt sich allerdings besser im Programm nachvollziehen, da kein Bühnenbild vorhanden ist und man fast nie weiß, wo das gerade Gesehene spielt. Es werden lediglich Bilder von Louis Armstrong, Häuser oder kleine Filmsequenzen gezeigt, die aber nicht wirklich zum Verständnis der Handlung beitragen. Als ”Bühnenbild” könnte man höchstens die 6-köpfige Band bezeichnen, die fast die ganze Zeit ihre Instrumente bearbeitet und für den guten Sound sorgt.

Nieding gibt einen süssen jungen Louis ab. Lediglich die Dialoge seiner Freunde (Christopher Hermanns, Frank Odjidja) wirken überdreht und zu sehr einstudiert.

Während des Stücks stehen sowohl Instrumentalnummern, bei denen die Band zeigen konnte, was sie kann, als auch Gesangsdarbietungen auf dem Programm.

So gibt es u.a. ”I got a right to sing the blues” von Jennifer Boone, ein schön geswingtes ”On the sunny side of the street”von Christopher Hemmans oder ein unterhaltsames ”Heebie Jeebies” von Frank Odjidja zu hören. Mittlerweile hat man einiges über Louis Kindheit erfahren u.a. auch von seinem Aufenthalt in einer Besserungsanstalt.

Alvin hat während seiner Interviewszenen sehr viel Text. Er meistert diesen sehr gut und vor allem verständlich. Besonders schwer ist aber mit Sicherheit die Nachahmung der einmaligen Stimme von Armstrong. Was Alvin mit seiner angestellt hat, um so zu klingen, wird vermutlich sein Geheimnis bleiben, auf jeden Fall war es sehr wirksam und er kam sehr nahe ans Original. Alvin wechselt schließlich den Platz auf der Bühne und wird zu einem jüngeren Armstrong, der seine Kindheit hinter sich hat. Er zeigt nun wieder eine andere Facette in seinem Leben, nämlich dass Louis früher eine sehr hohe, beinahe schrille Stimme hatte, die sich erst im Laufe der Jahre zur Reibeisenstimme entwickelte, wie man sie aus seinen Hitklassikern kennt. Bei ”Swing that music” stehen zum ersten Mal alle auf der Bühne. Der Jazz wird ordentlich zum swingen gebracht, lediglich bei der Choreographie hätte man einfallsreicher sein können. Auch Louis erste (von vier) Frauen Lil (Ulrike Nieding, die alle Frauen hintereinander verkörpert) ist Bestandteil des ersten Aktes. Gemeinsam singen sie ”Got a brand new suit”, bei dem Alvin neu eingekleidet wird und viel nacktes Bein zeigt. ”Bei ”I’m putting all my eggs in one basket” zeigt Nieding eine schöne, sanfte Stimme, lediglich in den höheren Lagen gibt es stimmliche Defizite. In dem flotten ”What is this thing called swing?” werden die Musiker vorgestellt und dürfen sich mit einer kleinen Soloeinlage selbst präsentieren. Nachdem man von einem kleinen Ausrutscher Armstrongs (er wurde beim Drogenkonsum erwischt) erfahren hatte, gibt es noch Highlights wie ”Blueberry Hill” oder ”Ain’t misbehavin” zu hören.

Im zweiten Teil tritt Jennifer Boone in einem aufregenden Kleid auf und gibt ”C’est si bon” zum Besten, bei dem man sofort an eine bestimmt Werbung erinnert wird. Die folgenden Auftritte lassen ein Konzertfeeling entstehen.

”Public melody number one” ist eine flotte Unterhaltungsnummer des gesamten Ensembles. Beeindruckend auch der a cappella Auftritt von U. Nieding, bei dem sie ”I feel like a motherless child” interpretiert. Das Finale scheint dann auch das Publikum etwas aufzuwecken. Bei jedem Titel, der schon aufgrund der ersten Klänge erkannt wird, applaudiert es schon vorher. ”Onkel Satchmo’s lullaby”, ”I hope Gabriel likes my music”, ”Mack the knife”, um nur einige aufzuzählen. Mit seinen Interpretationen von ”Hello Dolly” und ”Wonderful World”, auf diesen Song hatten alle gewartet, schoss Alvin Le-Bass aber den Vogel ab. Die stimmlichen Hürden meisterte er mit Bravour und durfte zwischendurch sogar kurzfristig mit seiner eigene Stimme singen, was dem Song gleich eine ganz andere Note gab. Speziell wurde dann noch von den Musikern Antoine Lydell Drye hervorgehoben, der für die Trompete zuständig war, deren Spiel Alvin zeitweise angedeutet spielte.

Zum Abschluss gab es noch ein Medley aus einigen Titeln, die während des Abends am Programm standen. Das Publikum war sehr begeistert und spendete Applaus. Dieser spornte die Band und die Sänger sogar noch zu einer Extraeinlage, ”When the saints go marchin’ in” an.

Das einzige große Minus erhält das Publikum für sein Verhalten während der Show. Laufend standen einige Leute auf und verließen die Halle. Einige kamen gar nicht mehr, andere suchten nach einer Weile wieder lautstark ihren Platz auf. ‚Dieses Verhalten war für die anderen Gäste unangenehm und man fragte sich, warum für solche Spaziergänge nicht die Pause genutzt wurde.

Nach der Show stand der Hauptdarsteller noch dem Publikum im Foyer für Fotos und Autogramme zur Verfügung und genoss sichtlich das Bad in der Menge.
Quelle: Andrea Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!