Die Weberischen

Ein Bänkelsang aus dem Hause Schikaneder

Felix Mitterer schrieb das Buch zu diesem Stück und legte den Weberischen Frauen so manch unschönes Wort in den Mund.

Die Musik stammte von Martyn Jacques von der schrägen Londoner Band ”Tiger Lillies”. Für die Arrangements und die musikalische Bearbeitung war Christian Kolonovits verantwortlich. Das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien stand auch unter seiner Leitung. Die zwei restlichen Mitglieder der ”Tiger Lillies”, Adrian Huge und Adrian Stout” unterstützten musikalisch ihren Frontman direkt auf der Bühne, während sich das Orchester hinter einem durchsichtigen Verschlag befand (der im Stück die Fenster darstellte).

Martyn Jacques war es auch, der ausnahmslos alle Songs, die in englischer Sprache gehalten wurden, interpretierte. Seine Töne befanden sich in einer eigenen, für einen Mann eher untypischen Tonlage und ob man den Gesang immer als solchen bezeichnen konnte, bleibt in Frage gestellt.

Die Songtitel lauteten etwa: ”Life’s a bitch”, ”Love for sale”, ”Abort the child” oder ”Don’t marry a man”. Hat man einen gehört, kennt man alle. Jeder ist fast gleich aufgebaut und vor allem das dauernde Wiederholen von bestimmten Textpassagen ist auf Dauer nervend. Jacques ist überhaupt ein sehr spezieller Typ mit charakteristischen Merkmalen. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, Melone und weiß geschminktes Gesicht. Lediglich Lippen und Augenpartien stechen schwarz hervor. Dazu kommt ein Gang, der an Charlie Chaplin erinnern soll. Erinnerungen an die ”Rocky Horror Show” entstehen, wenn man ihn sieht, aber der nötige Schwung will nicht aufkommen.

Die fünf weiblichen Mitglieder der Familie Weber werden von Robert Meyer (Cilly), Eva Maria Marold (Josefa), Anne Weber (Aloisia), Tanja Schleiff (Konstanze) und Ruth Brauer-Kvam (Sofie) gespielt.

Mozart, Fridolin Weber und diverse Kinder der Webertöchter wurden in Gestalt von nicht sehr ansehnlichen Stoffpuppen dargestellt.

Fast alle Darsteller haben eine musikalische Ausbildung genossen. Leider durften sie aber nur ein paar Auszüge aus Mozarts Werken zum besten geben, was sehr schade war.

Die Bühne war spartanisch eingerichtet. Eine Tür, ein Bett, Stühle, infolge kamen Aschenbecher, Fernseher, Billardtisch, Zigarettenautomat oder eine Stehlampe dazu.

Robert Meyer als habgierige, geldsüchtige Mutter Cilly spielt seinen Part souverän und sorgt ab und zu für Lacher. Bewundernswert auch sein Gang mit den Stöckelschuhen. Am liebsten würde Cilly alle Kinder zu Geld machen und nützt jede Liebschaft ihrer Töchter schamlos aus. Ist einer nicht gut genug, ist die Tochter tabu.

Eva Maria Marold steht in ihrer Rolle als Josefa anfänglich eher im Hintergrund. Sie ist nicht so süchtig nach Männern, wie einige ihrer Schwestern. Als sich gegen Ende ihr gesanglicher Erfolg u.a. als ”Königin der Nacht” aus der ”Zauberflöte” einstellt, bekommt sie auch mehr zu sagen.

Anne Weber spielt ihre Rolle sehr überzeugend und stellt eine karrieregeile, berechnende Aloisia dar.

Tanja Schleiff als Konstanze würde auch gerne berühmt wie ihre Schwester Aloisia sein. Diese lässt sie aber spüren, dass dem nicht so ist, was mitunter auch schon zu Rangeleien zwischen den beiden führt. Schlussendlich entscheidet sie sich für Mozart, der aber an seinen letzten Tagen auch nicht mehr sehr gewinnbringend war.

Ruth Brauer-Kvam spielt ihren Charakter der Sofie mit Abstand am beeindruckendsten. Mit ihren langen, strähnigen Haaren, ihren großen Augen und ihrer naiven Unschuld, ist sie die einzige, die unabsichtlich die Dinge immer richtig erkennt. Egal, ob sie die Gier ihrer Mutter durchschaut oder die geheuchelte Liebe ihrer Schwester zu den Männern. Herzzerreißend, wie sie die Szene interpretiert, als ihr das neugeborene Kind weggenommen wird und sie später das von Konstanze als ihr eigenes ansieht und großziehen möchte.

Eine interessante Thematik, die möglicherweise zu einer guten Schauspielkomödie hätte werden können, wenn man das ”musikalische” weggelassen hätte.

Den Prominenten, die wie zu jeder Premiere sehr zahlreich erschienen sind, schien es trotzdem gefallen zu haben. Im Publikum gesichtet wurden u.a.: Ludwig Hirsch, Andrea Händler, Yngve Gasoy Romdal, Maya Hakvoort, Andreas Bieber, Carin Filipcic, Ioan Holender, Marika Lichter, Barbara Karlich, Kyrre Kvam, Kathrin Zechner, Rudi Klausnitzer, Thomas Maurer, Fritz Karl, Christa Ludwig, um nur einige zu nennen.
Quelle: Andrea Martin

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