Jesus Christ Superstar, Donaubühne, Tulln

Die Donaubühne in Tulln ist ein beliebter Veranstaltungsort und Treffpunkt für Alt und Jung. Speziell in den Sommermonaten überstürzen sich regelrecht die dort stattfindenden Konzertereignisse. Die Veranstalter entschieden sich diesen Sommer am 1.7. die konzertante Version von ”Jesus Christ Superstar”, der Vereinigten Bühnen Wiens aufzuführen. Die Besetzung war die gleiche, wie zu Ostern im Raimundtheater. Die Zuschauertribünen, die an die 2500 Personen fassten, waren mit Musikbegeisterten sehr gut gefüllt und auch einige Enten schwammen zum Donauufer, um dem Konzertereignis beizuwohnen. Wettermässig hatte man ein Riesenglück, war es doch den ganzen Tag über eingezogen und bewölkt und die Aussichten auf ein Gewitter standen gut. Gottseidank blieb es trocken, was für die einzigartige Kulisse sicher von großem Vorteil war.

Mit den ersten Klängen der Ouvertüre des Orchesters, unter der Leitung von Walter Lochmann, marschierten die Darsteller durch’s Publikum. Sie begrüssten einander und über zwei Stege links und rechts ging es auf die Bühne. Es folgten alle Songs des Musicals von Andrew Lloyd Webber, wobei es auch nicht wirklich störte, dass es kein Bühnenbild, sondern nur Stühle für die Sänger gab, die sie aber nur zeitweise nutzten.

Als Jesus stand der aus England stammende Rob Fowler, mit einem kleinen Heimvorteil als Wahltullner, auf der Bühne. Er trug blaue Jeans und ein weißes Hemd. Nur im ersten Teil verzichtete er sogar auf Schuhe. Rob ist für diese Rolle auf jeden Fall ein Glücksgriff gewesen. Jeder Ton saß und besonders bei ”Gethsemane” hielt er einen langen Schlusston, der mit einen Toneffekt noch akustisch verlängert wurde. Rob hatte eine tolle Bühnenpräsenz mit jeweils zu den Songs passender Gesichtsmimik und lieferte keine übertriebene Jesus-Darstellung. Ihm als Judas stand Petr Gazdik gegenüber. Von diesem aus Tschechien stammenden Darsteller hat Österreich relativ wenig, ja eigentlich bis April 2006, so gut wie gar nichts gehört. In seiner Heimat hatte er schon etliche Musikengagements und wollte sich nun auch dem österreichischen Publikum beweisen. Vom Aussehen wirkte er wie ein Motorradfahrer ohne Harley. Gesanglich hatte er leider auch einige Defizite aufzuweisen. Seine englische Aussprache war gewöhnungsbedürftig und er verschluckte regelrecht Endsilben oder kam bei zuviel Text auch schon mal durcheinander. Er versuchte bei Songs wie ”Heaven on their minds” oder dem Titelsong ”Jesus Christ Superstar” zu punkten, indem er sich viel bewegte, doch leider konnte das nicht über die stimmlichen und textlichen Defizite hinwegtäuschen. Auch bei ”The last supper”, bei dem es zu einer Art Duell zwischen Jesus und Judas kommt, geht in jeder Hinsicht Rob als Sieger hervor.

Caroline Vasicek in braunem Kleid und rotem Hüfttuch gab die Maria Magdalena. Ihre Stimme klang eine Spur tiefer als sonst, was aber sehr gut zu den Liedern passte. Gemeinsam mit Rob sorgte sie bei dem Duett ”Everything’s alright” oder auch an der Seite von Roman Straka als Petrus bei ”Could we start again, please?” für schöne Momente. Auch ihr Solo ”I don’t know how to love him” war sehr gefühlvoll. Roman wirkte bei seinem 3fach Verrat an Jesus sehr emotional, sonst wirkte er unterstützend bei den Ensemblerollen mit.

Reinwald Kranner hatte als Simon bei ”Simon Zealotes” seinen großen Auftritt. Er fetzte mit Unterstützung der Soulgirls Jacqueline Braun, Kathleen Bauer und Tina Schöltzke über die Bühne und gab wirklich alles. Reinwald in der Rolle des Judas wäre sicherlich auch eine Überlegung wert gewesen und sollte bei zukünftigen Konzerten in Erwägung gezogen werden, da er alle Voraussetzungen mitbringt. Er sang auch den Part des Annas, welcher ihm aber keinen großen Spielraum ließ. Als Priester Kaiphas war Dennis Kozeluh zu hören. Wenn man seine Stimme hört, erlebt man jedes Mal auf’s Neue das Wunder seiner tiefen Stimme. Besonders in dieser Rolle legte er seinen Ausdruck sehr diabolisch an und wirkte wirklich sehr furchteinflössend. André Bauer gab einen zerrissenen Pilatus, der vor allem bei ”Pilate’s Dream” und ”Pilate and christ” stimmlich überzeugen, konnte. Die drei Soulgirls Jacqueline, Tina und Kathleen, deren Outfits in türkis gehalten sind, verkörpern alle weiteren Rollen, wie Jünger, Volk, Arme. Leider müssen sie nur allzu oft gegen ein zu lautes Orchester ankämpfen, was nicht immer gelang. Statt eines separaten männlichen Darstellers des Herodes gab Jacqueline Braun den ”King Herod’s Song” zum besten. Endlich durfte sie einmal alleine singen und rockte lässig mit cooler Sonnenbrille.

Gemeinsam sang das 10köpfige Ensemble Titel wie ”What’s the buzz?”, ”Hosanna” oder ”The last supper” und waren wirklich ein gut harmonierendes Team.

Auch die Lichttechnik war auf die Songs gut abgestimmt und setzte die Szenen wirkungsvoll ins rechte Licht.

Ein Musicalkonzert auf der Tullner Donaubühne ist mit Sicherheit ein tolles Erlebnis mit einzigartigem Flair. Auch die Hungrigen kamen nicht zu kurz. Ein eigens aufgebautes Gastrodorf bot für jeden Geschmack das Passende. Vielleicht gibt es ja noch öfters Musicals zu Gast auf der Bühne und dann hoffentlich nicht nur an einem Abend.
Quelle: Andrea Martin

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