Saturday Night Fever

Nach 10 anderen Städten in Deutschland (Bremen, Würzburg, Kempten, Kiel, Münster, Hannover, Nürnberg, Bielefeld, Erfurt und Leipzig) ist nun auch Wien infiziert. Die Symptome sind überall gleich. Man verspürt ein Kribbeln in den Beinen, schwingt seine Hüften und macht eine seltsame Pose, bei der der rechte Arm in die Höhe gestreckt und der linke auf die Hüfte gelegt wird. Man hört nur mehr Musik von den Bee Gees und kann gar nicht mehr aufhören zu tanzen. Es ist wie ein Virus – das ”Saturday Night Fever” und wer es einmal hat, kann so schnell nicht mehr kuriert werden.

Am 17.5.2006 feierte das Musical mit den großen Hits der legendären Bee Gees seine Wienpremiere in der neuen Halle F der Stadthalle. Die gut 2000 Personen fassende Halle füllte sich langsam, aber doch stetig und letztendlich war sie, bis auf vereinzelte freie Plätze, voll. Natürlich fanden sich, wie bei jeder Premiere, auch einige Prominente im Publikum u.a. Birgit Sarata, Albert Fortell, Maria Lahr, Reinhard Jesionek, Barbara Spitz, Andy Lee Lang, Brian Carmack, Cedric Lee Bradley. Noch vor Beginn der Show wurde man auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung des Gehörs aufmerksam gemacht und auf erhältlichen Ohrschutz hingewiesen. So ganz nachvollziehbar war diese Warnung aber nicht, denn die ganze Show über gab es Probleme mit der Akustik. Vor allem die weiter hinten Sitzenden hatten sicherlich das ein oder andere Problem die Darsteller, sowohl bei den Textpassagen, als auch den Songs zu verstehen. Erschwerend kam dann noch die Tatsache hinzu, dass eine Vielzahl der Darsteller deutsch nicht als Muttersprache hat und es dadurch zusätzliche Verständigungsschwierigkeiten durch einen Akzent gab.

Leider hatte sich die Darstellerin der Annette, Talita Angwarmasse, am Tag vor der Premiere auf der Bühne verletzt, sodass an ein mitwirken bei der Premiere nicht zu denken war.

Für alle, die die Handlung des Films ”Saturday Night Fever” mit John Travolta nicht kennen, werfen wir einen Blick auf die Geschichte:

Man schreibt das Jahr 1976 in New York City (Brooklyn und Manhattan). Der 19jährige Tony Manero (Matthew David Huet) lebt in einer streng katholischen, kleinbürgerlichen Familie und arbeitet in einem Farbengeschäft. Seine Eltern (Christine Dechantsreiter, John Davies) halten ihn mehr oder weniger für einen Nichtsnutz und halten ihm als leuchtendes Beispiel seinen Bruder Frank jr. (Marco Heinrich) vor Augen, der Priester ist. Um diesem öden Alltag zu entfliehen, trifft Tony an den Samstagabenden mit seiner Gang, den ”Faces”, bestehend aus Joey (JJ van Zan), Double J (William Centurion), Gus (Andrew Chedwick) und Bobby C (Deimos Virgillito) in der Disco ”2001 Odyssey”. DJ in dieser Disco ist Monty (John Davies), der seine Gäste bestens zu unterhalten weiß. Annette (Anouk Maas), die Tony sehr offensichtlich verehrt wird immer wieder von ihm abgewiesen. Er braucht jedoch eine Tanzpartnerin für den Universal-Disco-Dance-Contest und macht sie zu seiner Tanzpartnerin. Plötzlich erscheint die hübsche Stephanie Mangano (Laurie Reijs) und Tony ist hin und weg. Beim Training mit Annette sieht er sie wieder und ist sicher, sich in sie verliebt zu haben. Nur mit ihr möchte er den Tanzbewerb bestreiten. Auf ziemlich unschöne Weise gibt er dies Annette zu verstehen, die sehr traurig darüber ist. Einen Schock bereitet Frank jr. seinen Eltern, als er ihnen gesteht, dass er seinen Priesterberuf an den Nagel gehängt hat. Auch Tony’s Freund Bobby C hat Probleme. Seine Freundin Pauline ist schwanger und er weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Heiraten oder Abtreibung? Mit seinen Problemen bleibt er allerdings alleine, da ihn keiner seiner Freunde für voll nimmt und in ihm nur den Angsthasen sehen. Auch Tony hat wegen Stephanie andere Sorgen. Stephanie bittet Tony ihr bei ihrem Umzug nach Manhattan zu helfen. Dieser willigt erfreut ein, doch sein Chef gibt ihm an diesem Tag nicht frei. In einer Kurzschlussreaktion kündigt Tony, um bei Stephanie bleiben zu können. Einige Tage später gewinnen die beiden den Dance Contest. Tony findet seinen Sieg nicht gerechtfertigt, da das puertoricanische Paar, Maria und Cesar, um einiges besser getanzt hat. Er übergibt den Konkurrenten den Pokal samt Preisgeld. Mit dieser Handlung ist Stephanie nicht einverstanden. Sie lässt ihn, nachdem sie ihm an den Kopf wirft, ihn nur benutzt zu haben, stehen. In der darauf folgenden Nacht turnen die ”Faces” trotz eines Gewitters auf der Verrazano Narrows Brücke herum. Annette, die nur gemocht werden möchte, hat sich auch volllaufen lassen und die Boys nutzen diesen Zustand schamlos aus. Tony kann sie vor ihnen retten, doch dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Bobby C, der immer und ewige Verlierer will seiner Gang endlich beweisen, dass er nicht feig ist und klettert waghalsig auf der nassen Brücke herum. Tony versucht ihn davon abzuhalten, doch Bobby C stürzt und kommt zu Tode. Tony ist sehr betroffen, da er seinen besten Freund für immer verloren hat. Am nächsten Tag trifft er auf Stephanie. Er berichtet ihr was geschehen ist und erzählt ihr von seinem Entschluss sein Leben in die Hände zu nehmen und es ändern zu wollen. Stephanie entschuldigt sich bei ihm für ihr Verhalten vom Vortag und beide fallen sich in die Arme und versprechen einander eine Freundschaft auf immer und ewig.

Die Bühne ist vieles hintereinander, das Elternhaus von Tony, Monty’s Dance Studio, die Disco ”2001 Odyssey” oder die Brücke. Vor allem ist sie aber eines – ein Platz, auf dem sich die Darsteller tänzerisch austoben können und mit einer rasanten, schweißtreibenden Choreographie (Arlene Phillips, Natalie Holtom) alles geben. ”Stayin Alive”, ”Boogie Shoes”, ”Disco Inferno”, ”Night Fever” oder ”You should be dancin”, alles Songs bei denen Matthew David Huet, John Davies, Laurie Reijs, Anouk Maas und ein tolles Ensemble sich jedes Mal auf’s Neue verausgaben. In bunten Outfits der damaligen Zeit, bei denen viel Haut gezeigt wird und mit üppigen Fönfrisuren wird der Flair der Seventies verbreitet.

Matthew David Huet gibt einen smarten Tony Manero, der in jedem Outfit eine gute Figur macht. Er hat den perfekten Hüftschwung drauf und sorgt für begeisterte Zwischenrufe der weiblichen Fans in Publikum, wenn er seinen Oberkörper entblößt und ihn selbstverliebt im imaginären Spiegel ansieht. Gesanglich wäre sicher mehr drinnen gewesen, aber aufgrund der tänzerischen Höchstleistungen, kann man kleinen stimmlichen Schwächen abgesehen werden. Mit seinen dunklen Augen ist der der absolute Frauenschwarm und man kann die Gefühle von Annette im Stück voll und ganz verstehen.

Annette wird von der Holländerin Anouk Maas dargestellt. Normalerweise ein Teil des großen Ensembles, aber am Premierentag als Ersatz für Talita Angwarmasse in einer der Hauptrollen zu sehen gewesen. Sie ist einfach entzückend anzusehen, wenn sie mit allen nur erdenklichen Mitteln die Liebe Tony’s zu erkämpfen versucht und dabei doch nur wieder in ein Fettnäpfchen tritt. Anouk hat eine sehr schöne akzentfreie Stimme und gefällt bei ihrem Solo ”If I can’t have you”.

Ihre Konkurrentin Stephanie ist Laurie Reijs. Sie spielt anfangs den Charakter gekonnt arrogant und mit einem ordentlichen Zynismus in der Stimme. Textlich gibt es einige Unsicherheiten, doch auch sie ist eine erstklassige Tänzerin und es ist ein Vergnügen Matthew und ihr beim gemeinsamen Tanzen zuzusehen.

Weiters aus dem Ensemble zu erwähnen sind:

John Davies alias Monty. Er heizt mit seiner Energie den Leuten in der Disco ordentlich ein und sorgt für eine gute Stimmung. Ebenso mimt er Fusco, Tony’s Arbeitgeber sowie Mr. Manero, Tony’s Vater. In der letztgenannten Rolle ist vor allem die erstmalige Verwandlung von Monty in Manero sen. zu erwähnen. Nachdem er noch mit Afroperücke zu sehen war, verschwand er hinter einer Zeitung, um danach glatzköpfig wieder aufzutauchen. John darf auch mehrmals seine gesanglichen Künste unter Beweis stellen, vor allem die hohen Töne, im Bee Gees Stil sind erwähnenswert.

Deimos Virgillito ist Bobby C. Er trägt die Songs ”First and last” sowie ”Tragedy” mit viel Gefühl vor. Leider hat er es nicht immer einfach, da er gegen das laute Orchester ansingen muss und noch dazu alleine.

Karin Kern ist die in Tony verliebte Doreen und ein wahres Showtalent. Mit dieser Rolle wird für die meisten Lacher gesorgt – egal ob Doreen Tony nur die Stirn abwischt und dabei fast ohnmächtig wird, ihn mit links hochhebt oder mit ihm eine flotte Sohle aufs Parkett legt. Auch in Monty’s Dance Studio gibt sie als fliegender Schwan eine sehr skurrile Figur ab, vor allem, wenn sie mit Steckdosenfrisur Tony ihre Vorteile präsentiert.

Speziell noch hervorzuheben sind die vier Showtänzer beim Tanzwettbewerb. Paar Nr. 1 bestehend aus Julia Lawrence und Ferdi Antersijn. Die beiden tanzen sehr exotisch zu ”Open Sesame” und stechen vor allem durch den Größenunterschied zueinander hervor. Die eigentlichen Sieger sind Kerry Swain und Christopher Beroiz als Latinopaar Maria und Cesar. Feuriger und energiegeladener geht es einfach nicht mehr. Wurf- und Hebefiguren wechseln einander ab und das Publikum honoriert diese Einlage mit gehörigem Beifall.

Nach der erfolgreichen Premiere ging es zur Aftershowparty ins Hotel Wimberger, wo in einem separaten Saal geladene Gäste sowie die Cast noch bis in die frühen Morgenstunden kräftig feierten.
Quelle: Andrea Martin

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