Zur Sache CATS-chen: Der Muskel-Kater zeigt den Düsseldorfer Miezen seine Krallen

Die ersten Proben-Fotos aus dem Capitol-Theater: Training für die Ballsaison
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”Tom” hätte bestimmt seine helle Freude daran, ”Jerry” kaum. Aber hier geht es ja weniger um die Mäusejagd, denn darum, wer unter den versammelten Stubentigern nun via Katzenmond in den Himmel kommt und in Folge ein zweites Leben erhält. Das letzte Wort darüber hat Alt Deuteronimus, und der sieht, weil, wie alle anderen noch in Zivil, eigentlich gar nicht wie eine weiser Kittekat-Schamane aus. Noch nicht. Auch Macho Rum Tum Tugger, Jenny Fleckenreich, Skimbleshanks, Tumblebrutus und wie sie alle heißen, haben noch kein dickes Fell und kommen in legeren und bequemen Freizeitklamotten daher.

Tierischer Showdown

Der ein oder andere an der Heckpartie der Akteure befestigte künstliche Schwanz muss als Minimal-Maskerade vorerst reichen, deutet aber, ebenso wie Mimik, Bewegungsvokabular und Gehabe der hier versammelten Schar bereits auf den kommenden, tierischen Showdown hin. Gleichwohl: Ohne Kostüme, Make-up, ausgefeilte Beleuchtung und verwunschene Schrottplatz-Kulisse wirkt das Ganze noch reichlich gestelzt. Inmitten des sterilen Probensaals mit dem Charme einer Turnhalle fällt es schwer sich vorzustellen, welch faszinierendes und packendes Eigenleben T.S. Eliots Kreaturen in der finalen Umsetzung dieses offenbar unverwüstlichen Klassikers einmal entwickeln werden.

Gut in der Zeit

Zwei Stockwerke tiefer hämmern die Bühnenbildner und -bauer bereits im Akkord, während die Kostümschneider längst Maß genommen haben und mit den passgenauen Änderungen am vorhandenen Textilfundus beschäftigt sind. In wenigen Tagen soll das Ensemble dann auch an jenen Ort umziehen, an dem Grizabella schließlich so nachhaltig in Erinnerungen schwelgen darf: auf die große Bühne des Hauses. Und es sind nur noch vier Wochen bis zum Tag X. Trotzdem: ”Wir liegen gut in der Zeit”, verkünden Christine Cartwright, Regisseurin und Choreografin in Personalunion, und ihre Kollegin Jaqueline Dunnley-Wendt, die als künstlerische Leiterin verantwortlich zeichnet, unisono.

Die Luft ist noch nicht raus

Nach fünfzehn erfolgreichen Monaten in Berlin freue man sch nun ganz besonders, endlich auch in Nordrhein-Westfalen spielen zu können.

Dort haben die CATSen, die bislang in Hamburg, Stuttgart und an der Spree schnurrten, noch nie gefaucht. In Düsseldorf sollen sie das zunächst sechs Monate lang tun – mit Option auf Verlängerung. Wohin die im Anschluss daran geplante Tournee weiter führt, ist noch nicht genau heraus. Bremen wird aber als eine mögliche Station gehandelt. Nach zwei Welt-Premieren (”Miami Nights” und ”Das Mädchen Rosemarie”) gibt’s nun in dem zum Musentempel ausgebauten ehemaligen Bahndepot in der Erkrather Straße altbewährte Musicalkost. Seine deutsche Uraufführung hatte das Stück 1986 in Hamburg erlebt. Weltweit wurde es in 300 Städten in 26 Ländern der Erde gezeigt. Die Ausbeute: 65 Millionen Zuschauer. Und das Ende der Fahnenstange scheint noch immer nicht erreicht zu sein.

Viele der an der rheinischen Inszenierung der Stage Holding beteiligten Künstler sind schon vorbelastet und bringen bereits den richtigen Stall- bzw. Körbchen-Geruch mit. Sie waren entweder schon in Hamburg, im Schwäbischen oder in Berlin mit von der miauenden Partie. Andere betreten mit ihrem Engagement gänzlich Neuland, was für sie natürlich eine immense Herausforderung bedeutet. Die gemessen an den gängigen Standards einzigartige Choreografie von Cats unterscheidet sich doch elementar von jenen Bewegungsmustern, wie sie normalerweise auf deutschen Musical-Bühnen in den vielfältigsten Variationen gepflegt und praktiziert werden. Das erfordert zum Teil radikales Umdenken und, von der exzentrischen katzenhaften Mimik einmal ganz abgesehen, das Erlernen einer völlig neuen Körpersprache. Was letztendlich so elegant, graziös, ästhetisch und animalisch-verspielt aussieht, ist das Ergebnis einer wochenlangen Tortur, die im Zeitrahmen eines Acht-Stunden-Tags schwerlich zum Erfolg führen kann. Und weil das so ist, hat sich neben Tugger, Munkustrap, Mister Mistoffelees und Co. noch ein weiteres Katzenmännchen auf die Besetzungsliste gemogelt: Der Muskel-Kater.

JÜRGEN HEIMANN
Quelle: Jürgen Heimann

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