Die Kunstform „Musical„ hält in der Frankenmetrole Nürnberg Einzug

Großer Applaus im Musicalzelt Nürnberg

Von außen recht unscheinbar überrascht das Foyer umso mehr. Dekoriert wie eine mittelalterliche Marktplatzszene strahlte es Behaglichkeit aus. Die durch Decken und Stoffe abgehängte Decke unterscheidet sich in positiver Art und Weise von den meist steril wirkenden Häusern der modernen Bauart. Das gemütliche Ambiente lädt zum Verweilen ein und so vergeht auch eine längere Wartezeit im Foyer bei einem Getränk und einer netten Unterhaltung. Passend zum Dekor und fast unauffällig auch die Mitarbeiter am Eingang zum Zuschauerraum oder an den Bars – Mittelalter eben.

Ebenso überzeugend auch der Zuschauerraum, die Wände stellen den in Franken wohlbekannten ”Stecknadel-Wald” dar, die aufgeforsteten Wälder mit den langstämmigen Kiefern. Auf der Bühne thront Brednock Castle, der Hauptschauplatz des Stückes. Das Bühnenbild besticht durch Einfachheit und Eleganz – ganz anders als manche ”großen Brüder”, die mit protzigen Bühnenbildern aufwarten, um die Zuschauer zu beeindrucken. Oftmals reicht auch schon ein kleines, mit viel Liebe zum Detail erarbeitetes Bühnenbild aus, um das Publikum zu begeistern und für ein paar Stunden in eine Welt der Phantasie zu entführen.

Gemütlich und vertraut wirkt alles, Foyer, Saal, Bühnenbild und auch die gesamte Atmosphäre läßt einen spüren, daß das Stück mit einer großen Portion Herz und Liebe entstanden ist. Sicherlich spielt auch in dieser Produktion das Geld eine Rolle, denn auch hier müssen die Kosten bestritten werden, aber im Gegensatz zu reinen ”Geldproduktionen” steht hier der Wunsch vorne an, Unterhaltung zu bieten. Schon bei der Kurzvorstellung im Rahmen der Eishockey WM feierte das Stück seine ersten Erfolge und wird diese mit Sicherheit auch während seiner Spielzeit weiterhin erhalten können.

Bekannte Namen sucht man auf der Besetzungsliste fast vergeblich, aber nicht umsonst. Vielen Besuchern wird wohl Jerzy Jeszke ein Begriff sein, der schon weltweit Engagements hatte und mit Rollen aus ”Les Miseralbes” und ”Phantom der Oper” bekannt wurde. In ”The Castle” spielt er die tragische Rolle des König Duncans, der auf der einen Seite hart und unerbittlich zu seinem Volk ist, auf der anderen Seite aber voller Sorge um seine Tochter. Dargestellt wird die schöne Lady Margaret, die Tochter des Königs, in der Erstbesetzung von Susan ten Harmsen, die den Wiener Musicalfans eher ein Begriff sein dürfte, als den Deutschen. Ihre große Liebe der Bauernjunge John, gespielt von Lutz Thase. Lutz Thase hatte schon Engagements in Bonn (”Hair”) und Köln (”Geist der Weihnacht”). Die rechte Hand des König – der Herold – wurde mit wunderbarer Gemeinheit von Marc Pagan gespielt, der auch schon viele Auftritte als Gast-Solist in der unterschiedlichsten Stücken wahrgenommen hatte. Durch das Stück führt Jocus der Hofnarr. Schelmisch dargestellt von Thomas Wißmann, der einigen Fans durch die Musicals ”Schöne und das Biest” und der ”Rocky Horror Show” bekannt sein dürfte.

Stimmlich und schauspielerisch ist das Stück ein Hochgenuß, Sprünge in Handlung und Ort werden von dem Hofnarr erklärt und somit verhindert, daß das Publikum den roten Faden verliert, der sich kontinuierlich durch das Stück zieht. Eine gut durchdachte und schlüssige Handlung, in der die wenigen Dialoge klar verständlich gesprochen und die Songs mit exellenten Stimmen gesungen werden. Im Vergleich mit anderen Produktionen, in denen man die Darsteller aufgrund von Akzenten und fehlerhafter deutscher Aussprache wenig bis gar nicht versteht, schneidet ”The Castle” mit der Wertung ”Besonders empfehlenswert” ab.

Erfrischend auch die Musik, in der man Elemente der irischen Volksmusik erkennt, aber auch ein wenig Rock und Mike Oldfield. Gemischt mit passenden und nicht übertriebenden Choreographien, wird die Geschichte erzählt, die vor langer Zeit spielte, aber dennoch nicht zu Ende ist, denn am Ende wird wohl jedem Besucher klar, daß ”weder Vergangenheit noch Gegenwart zählt – denn die Zukunft beginnt jetzt”. Und die Zukunft des Musical, nicht nur in Nürnberg und Umgebung, braucht mehr an frischen Stücken, an unverbrauchten Melodien und an Darstellern, die spielen, weil es ihre Berufung ist und nicht nur ein Beruf.

Jedem Musicalfan sei dieses Stück ans Herz gelegt. Es ist nicht zu vergleichen mit den Großproduktionen in ganz Deutschland und das ist auch gut so, denn schließlich kochen die Franken schon immer ihr eigenes Süppchen.

Infos zum Stück, sowie Tickets, Anfahrt und Termine sind unter www.thecastle.de zu finden.

Alexander Brock

www.musicalzirkel.de
Quelle: Alexander Brock

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